Berlin : Schutz gegen Vogelgrippe wird nicht verschärft

Berlin hält bestehende Kontrollen für ausreichend

Annette Kögel

Berlins Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (Linkspartei/PDS) will den Schutz vor der Vogelgrippe am morgigen Mittwoch bei der Bundesverbraucherministerkonferenz zum Thema machen. Dabei soll auch die Notwendigkeit von verstärkten Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen, etwa der mögliche Einsatz spezieller Fußmatten zur Desinfektion, besprochen werden, sagte die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, Roswitha Steinbrenner. Anders als Hessen und Bayern hält es Berlins Gesundheitsverwaltung aber derzeit nicht für erforderlich, Tests zu intensivieren und etwa wieder Reisebusse zu kontrollieren.

Für den Fall, dass das Vogelgrippevirus wider Erwarten nach Deutschland eingeschleppt und der Erreger doch von Mensch zu Mensch übertragen werden sollte, existiert für Berlin ein Pandemie-Notfallplan, sagte Steinbrenner. Derzeit bestehe aber keine Gefahr, zudem sei der Genuss von gegartem Fleisch völlig unbedenklich. Geflügelimporte aus betroffenen Länder seien verboten, die Einfuhr werde an den EU-Grenzen kontrolliert. Die Verwaltung hat aber einen Vorrat an Influenza-Mitteln wie Tamiflu angelegt, um bei einer Epidemie Menschen mit geschwächtem Immunsystem versorgen zu können. Auf den Flughäfen werde regelmäßig kontrolliert, sagte Steinbrenner. Bei der für Tegel zuständigen Stelle im Veterinäramt Reinickendorf, die dem Ordnungsamt untersteht, sei kein Personal gekürzt worden. Marlies Wanjura, Reinickendorfer Gesundheitsstadträtin und Bürgermeisterin, sagte, sie erhoffe für den Notfall „Rückendeckung von der Senatsverwaltung“.

„Die Reisenden sind sehr verständnisvoll, wenn wir sie ansprechen“, sagte Axel Werner, Sprecher des Zolls Berlin-Brandenburg, der ebenfalls in Tegel kontrolliert. Seit August gebe es Stichproben, nur einen großen Schmuggelfall habe es im Oktober gegeben, als eine ältere Türkin zehn Kilo Geflügel im Koffer transportierte. Der Zoll kontrolliert auch in der Großmarkthalle in Wedding. „Hier im Fleischmarkt wird Geflügel nur in ganz geringen Mengen gehandelt, Lebendgeflügel seit Jahren nicht mehr“, sagt Hans-Joachim Bathe-Peters, zuständiger Amtstierarzt.

Täglich seien je zwei Veterinäre, Tierärzte und Lebensmittelkontrolleure im Einsatz. Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, sagte, die mit dem Senat geplante Informationsbroschüre auf Türkisch sei wegen der ausführlichen Medienberichte nicht aufgelegt worden. Viele Landsleute seien ohnehin höchst sensibilisiert: In der Türkei wird nun selbst vom Verzehr von Eiern und Geflügel abgeraten; Kühe und Schafe sollen fürs Opferfest sogar desinfiziert werden.

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