Berlin : Schutz hinterm Zaun

Das 3. autonome Frauenhaus bietet Sicherheit Und eine Zukunft. Dafür braucht es Spenden

Daniela Martens

So viele Bewerbungen gab es für unsere Weihnachtsspendenaktion noch nie: Mehr als 160 Mappen von sozialen Vereinen gingen ein. Wir haben alle gesichtet und geprüft. Wegen der großen Nachfrage werden wir 2007 noch mehr Projekte bedenken. Derweil mehren sich die Anrufe von Lesern, die Sachspenden anbieten oder persönlich helfen wollen. Nun stellen wir ausgewählte Projekte vor – und bitten Sie, liebe Leser, um Spenden. Heute: Das 3. autonome Frauenhaus.

Der Koffer ist schwer. Die junge Frau zerrt ihn durchs Tor. Mindestens zwei Meter hoch ist es, genau wie der Zaun, aus glatten Metallstangen und besetzt mit spitzen Dreiecken. Unüberwindbar – hoffentlich. Der Zaun wird die Frau vor ihrem alten Leben schützen. Denn das bedeutete Gewalt. Ihr neues beginnt jetzt, mit dem Betreten des hübschen Stadthauses, dessen Vorgarten der Zaun umgibt: Das 3. autonome Frauenhaus.

Zu früh, um mit ihr über ihr Schicksal zu sprechen. Doch man kann es sich vorstellen: Schläge, Isolation, Verzweiflung – die Geschichten der 60 Frauen im Frauenhaus ähneln sich. Fünf Sozialpädagoginnen helfen ihnen, eine neue Perspektive zu finden. Zuallererst aber Schutz und Sicherheit. Die meisten bleiben etwa drei Monate. Einige auch länger. Finanziert wird das vom Land Berlin. Das Geld reicht für das Nötigste. Etwa für die Gehälter der zehn Mitarbeiterinnen. Vier von ihnen sind Erzieherinnen und kümmern sich um die Kinder der Frauen. Die meisten der kleinen „Flüchtlinge“ sind schwer traumatisiert. Um ihnen zu helfen, brauchen die Pädagoginnen zum Beispiel besonderes didaktisches Material, um die Gewalterfahrungen aufzuarbeiten. So etwas übersteigt das Budget. Deshalb will der Tagesspiegel helfen.

Ein Klettergerüst für den kleinen Garten wird auch dringend benötigt. Zurzeit steht nur eine Sandkiste auf dem Rasen hinter dem hohen Zaun. Zum nächsten öffentlichen Spielplatz können viele der Kinder gerade am Anfang nicht gehen. Zu gefährlich, sagt eine der Erzieherinnen. Nicht einmal die Namen der Mitarbeiter dürfen in der Zeitung stehen. Die der Bewohnerinnen und Kinder sowieso nicht. Die Männer terrorisieren sie auch nach dem Umzug weiter: Mit aggressiven Anrufen auf dem Handy, Beschwerden beim Jugendamt und, wenn sie die Adresse des Frauenhauses herausfinden, auch persönlich. Manchmal lassen sie ihre Wut an den Mitarbeiterinnen aus.

Deshalb gibt es strenge Sicherheitsvorkehrungen bei der Ankunft. Eine Mitarbeiterin holt die Frauen an einem vereinbarten Treffpunkt ab. So auch Frau M. Seit mehreren Jahren verheiratet, hatte sie lange die Schläge ihres Mannes ertragen. Und die Verbote: Sich mit Freunden zu treffen oder den zweieinhalbjährigen Sohn in einer Kita anzumelden.

Als sie im achten Monat schwanger mit ihrem zweiten Kind war, trat er ihr in den Bauch, und sie entdeckte auf einem Plakat die Nummer der Hotline, die ins Frauenhaus führt. Ihre kleine Tochter kam kurz darauf in Sicherheit zur Welt. Einen Kinderwagen stellte das Frauenhaus. Doch die sind immer knapp, denn die meisten Frauen fliehen mit nichts als einem Koffer. Auch dafür braucht das Frauenhaus Spenden.

Das Konto: Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen !“, Berliner Sparkasse, Kto.- Nr. 250030942, BLZ 100 500 00. Onlinebanking ist möglich. Notieren Sie Namen und Anschrift für den Spendenbeleg. Internet: www.tagesspiegel.de/spendenaktion.

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