• Schwaben in Berlin: Baden-Württembergische Landesvertretung eröffnet - Mit 55 Millionen Mark der teuerste Länderbau

Berlin : Schwaben in Berlin: Baden-Württembergische Landesvertretung eröffnet - Mit 55 Millionen Mark der teuerste Länderbau

Eva Schweitzer

So viel Schwäbisch war in Berlin nicht mehr zu hören, seit die debis-Zentrale übergeben wurde: Baden-Württembergs Landesvertretung, am Tiergartenrand gelegen und von dem Berliner Architekten Dietrich Bangert entworfen, wurde gestern nach zweijähriger Bauzeit eröffnet. Das weißverputzte, lichtdurchflutete Haus hat 55 Millionen Mark gekostet und ist damit der teuerste Länderbau, fünf Millionen Mark teurer als die nahe Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen. Ein großer Sprung seit den 20er Jahren, als der württembergische Finanzminister bei mehrtägigen Berlin-Terminen mit einer Bahnfreikarte nachts von Berlin nach Erfurt und zurück fuhr, um dem Land Hotelkosten zu sparen.

Zahlreiche Landsleute waren der Einladung von Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) gefolgt; neben Teufels Vorgänger Manfred Filbinger waren die Bundestagsabgeordneten Rudolf Seiters, Brigitte Baumeister, Matthias Wissmann und Rezzo Schlauch gekommen, dazu Grünen-Chef Fritz Kuhn, Hertha-Trainer Dieter Hoeneß sowie Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Das Haus soll auch, so Teufel, ein "Ort leichten Heimwehs für alle Landsleute Baden-Württembergs" sein, die hier immerhin die zweitstärkste ethnische Gruppe nach den Türken seien. Übrigens blieb auch ein Teil der Aufträge in schwäbischer Hand: So wurde die Tragwerksplanung an das Ingenieurbüro von Hans Jörg Mayer-Vorfelder vergeben, Bruder des früheren Finanzministers.

Die Landesvertretung liegt zwischen den künftigen Botschaften von Indien und Österreich und nördlich des Verteidigungsministeriums. Teufel betonte unter großen Beifall die freundschaftliche Verbundenheit mit dem "Nachbarland Österreich", was auch der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) hervorhob. Uneins waren sich Teufel und Diepgen allerdings, was den Länderfinanzausgleich betraf. Es gebe durch ein Dutzend von Finanzausgleichssystemen eine Totalnivellierung der Länderfinanzen; Baden-Württemberg habe seit seiner Gründung die Hälfte des Länderfinanzausgleichs alleine bezahlt. "Wir streben eine gerechtere Lösung an", sagte Teufel. Hingegen will Diepgen am Länderfinanzausgleich festhalten. Dabei strebe Berlin "keine Sonderrolle" an, verlange aber eine angemessene Berücksichtigung seiner Leistungsfähigkeit. Diepgen hofft darauf, dass Bremen - ebenfalls ein armer Stadtstaat - in diesem Sinne auf die reichen Schwaben einwirkt. Die zusätzlichen Kosten durch die Belastung Berlins als Hauptstadt müsse allerdings der Bund tragen.

Teufel sagte weiter, das Zusammenspiel von Bund und Ländern müsse überdacht werden. Die Länder seien an den Gesetzgebungsverfahren zu wenig beteiligt, das stärke nicht die deutsche Wettbewerbsfähigkeit. Zudem müssten die Länder an großen Infrastrukturvorhaben beteiligt werden.

Zu dem Haus mit seinen knapp 5000 Quadratmetern Nutzfläche gehören neben rund 50 Büros für 70 Mitarbeiter und einem großen Festsaal in der Lobby auch ein Bierkeller und eine badisch-schwäbische Weinstube. Im zweiten Stock gibt es ein Kaminzimmer mit einer Bibliothek. Außerdem verfügt das Haus über 23 Gästezimmer und zwei Apartments, eines für den Bevollmächtigten des Landes beim Bund - derzeit Willy Stächele - und eines für den Ministerpräsidenten.

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