• Schwabenfeindlichkeit in Berlin: Renate Künast fordert: Schluss mit dem Schwabenhass!

Schwabenfeindlichkeit in Berlin : Renate Künast fordert: Schluss mit dem Schwabenhass!

Mit Spätzle-Attacken fing es an, nun haben die Schwabenhass-Aktionen in Berlins Mitte mit feindlichen Parolen politische Dimensionen angenommen. Renate Künast appelliert nun an die unbekannten Unruhestifter.

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Manch einer würde die Schwaben anscheinend gerne wieder dahin schicken, wo sie hergekommen sind.
Manch einer würde die Schwaben anscheinend gerne wieder dahin schicken, wo sie hergekommen sind.Foto: dpa

Der Spaß ist vorbei, der Ernst auf Bundesebene angekommen – diesen Eindruck vermittelt die zunehmend intensive Diskussion um die Schwabenhass-Aktionen in Berlins Mitte. Am Samstag hat sich nun auch die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Renate Künast, in die Debatte eingeschaltet. Sie appellierte im Gespräch mit dem Tagesspiegel an die unbekannten Urheber, aufzuhören. „Die Aktionen haben jede Unschuld, jeden Reiz verloren“, sagte sie; deshalb müssten sie jetzt umgehend beendet werden.

Nach Künasts Worten war es noch verständlich, dass Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse seinerzeit mit Unmut auf das Eindringen schwäbischer Sitten nach Prenzlauer Berg reagiert habe, „denn in seinem Kiez hatte sich ja 25 Jahre lang nichts verändert“. Indiskutabel und geschmacklos sei jedoch der an die Judenverfolgung erinnernde Satz „Kauft nicht bei Schwab’n“, zumal er in der Rykestraße hingeschmiert worden sei, also in der Nähe einer Synagoge. Das habe absolut nichts mehr mit Kreativität und Spaß zu tun und passe nicht zu einer Stadt, die von Zuwanderern in ihrer Geschichte immer wieder profitiert habe, sagte Künast.

Auch in Süddeutschland regt sich Kritik. Der Konstanzer „Südkurier“ fragte eigens bei der Berlinerin Bilkay Öney nach, die seit 2011 Landesministerin für Integration in Stuttgart ist, was sie davon halte. Öney ließ bestellen: „Berlin zieht viele Binnenmigranten an. Hier gilt aber der Grundsatz des Alten Fritz: Jeder soll nach seiner Fasson selig werden.“ Ihr Sprecher schob die Hoffnung nach, es handele sich um Einzelfälle. Diese eher passive Haltung trug Öney harte Kritik der Zeitung ein: „Dass Arbeitsmigranten aus dem eigenen Land nicht anständig behandelt werden, fällt offenbar nicht in die Zuständigkeit des Öney-Ressorts. Dabei gibt es Gesprächsbedarf. Schwaben gelten in der Berliner Provinz zwar als Ausländer, sind aber immerhin Menschen.“

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