Berlin : Schwadenfrei

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VON TAG ZU TAG

Christian van Lessen über

ein neues, altes Freizeitvergnügen

Tausende Berliner, überwiegend türkischer Herkunft, freuen sich, wenn sie bei schönem Wetter in den Tiergarten ziehen können. Nicht, um herumzuspazieren, sondern um schnellstmöglich eine Grünfläche anzusteuern. Dann wird gegrillt. Weil der Trend zum Ganzkörpertier geht, ist das alles eine langwierige Geschichte. Oft verschwindet der sonnige Tiergarten stundenweise in der Grillerdämmerung. Wir wissen, dass der einen Freud der anderen Leid ist, dass ständig von anderen Leuten, die nicht grillen, über das Grillen und die Schwaden geschimpft wird. So häufig, dass es eigentlich längst schon nicht mehr auffällt.

Bedarf es nun einer gewissermaßen politischkorrekten Feder, um aus gegebenem Anlass hoffnungsfroh an ein Wort zu erinnern, das fast – im Zusammenhang mit dem Tiergarten – in Vergessenheit geraten ist?

Es heißt schlicht und einfach Picknick und bedeutet die geradezu klassische Form des kulinarischen Freizeitvergnügens unter freiem Himmel. Mit britischer Unterstützung soll unter Leitung des Kulturamtes Mitte von Freitag bis Sonntag im Englischen Garten öffentlich gepicknickt werden. Mit Korb und Decke, etwas Marmelade hier, einem Sandwich dort, einem Tröpfchen Guinness oder einem Schlückchen Apfelwein. Mit Fish and Chips und Pasteten, Mutige dürfen sich an Innereien nach Haggis-Art wagen. Alles garantiert schwadenfrei. Vieles ist erlaubt, Grillen verboten.

So werden wir, wenn die Sonne scheint, am Wochenende im Tiergarten ein multikulturelles Freiluft-Essen genießen können. Vielleicht macht das klassische Picknick Schule. Die bessere Luft wird mit Sicherheit im Englischen Garten geatmet.

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