Schwanenwerder : Linke erinnern an Insel der NS-Bonzen

Streit um Bebauungsplan auf Schwanenwerder

Fatina Keilani

Über die Zukunft des Südteils der Insel Schwanenwerder bahnt sich Streit an. Wo früher Kinder und Jugendliche Ferien machten, sollen Villen entstehen; ein Bebauungsplan ist in Arbeit. Die Linken in der rot-roten Koalition sind dagegen: Sie möchten das Areal als Grünfläche oder Wald ausweisen und zur öffentlichen Erholung freigeben. Außerdem soll Besuchern die Geschichte der Gegend erfahrbar gemacht werden – denn in der Nazizeit hatten NS-Größen wie Joseph Goebbels und Albert Speer die Villen jüdischen Vorbesitzern abgepresst; die „Reichsfrauenführerin“ betrieb dort die „Reichsbräuteschule“, und auch für Hitler war ein Grundstück reserviert.

Der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linken, der frühere Kultursenator Thomas Flierl, will Infoschilder aufstellen lassen. So könnten Fußgänger sich während über „Residenzen der NS-Führung in Berlin“ informieren. An Flierls Seite befinden sich Andreas Nachama von der Stiftung Topographie des Terrors, Norbert Kampe von der Gedenkstätte Haus der Wannseekonferenz und Christine Fischer-Defoy vom Verein Aktives Museum. Sie schlagen vor, eines der Grundstücke als Standort für eine Freiluft-Ausstellung zu nutzen, um Schwanenwerder als „einen der landschaftlich, siedlungsgeschichtlich und historisch herausragenden Orte in der Region zu schützen und im Charakter zu erhalten“.

Die Stadtentwicklungsverwaltung unter Ingeborg Junge-Reyer (SPD) hat anderes vor. Die vier Grundstücke Inselstraße 7, 38, 40 und 42 wurden schon vor Jahren dem Liegenschaftsfonds übertragen und sollen an private Investoren verkauft werden. Den Entwurf für einen Bebauungsplan gibt es bereits, er wird aber wohl unter Verschluss gehalten: „Die Senatsverwaltung weigert sich, den Plan dem Abgeordnetenhaus und selbst den Mitgliedern der Regierungsfraktion offenzulegen“, sagt Flierl. Er wünsche sich mindestens eine Debatte über das Thema. Junge-Reyers Sprecherin Manuela Damianakis wollte sich am Sonnabend nicht äußern. Fatina Keilani

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