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Schwangere angegriffen : Drei Gewalttaten im Berliner Nahverkehr an einem Tag

Ein geistig verwirrter Täter greift eine schwangere Frau in der S-Bahn an. Es war eine von drei Gewaltvorfällen im Berliner Nahverkehr an einem Tag. Polizei und BVG kündigen die Fortführung gemeinsamer Streifen an.

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Die Gewalt in Berlins öffentlichem Nahverkehr findet offenbar kein Ende. Nach mehreren brutalen Attacken im vorigen Jahr, nach denen die Täter teilweise zu hohen Haftstrafen verurteilt worden sind, gab es am Donnerstag wieder mehrere tätliche Übergriffe auf U- und S-Bahnhöfen.

Ein geistig verwirrter Mann randalierte gegen 16.30 Uhr in der S-Bahn-Linie 1. Zunächst stieß er eine Reisende gegen die Scheibe. Auf dem Bahnhof Gesundbrunnen angekommen, näherte sich der 44-Jährige plötzlich einer Schwangeren von hinten, riss sie zu Boden und trat auf die Frau, die im fünften Monat ist, ein.

Ein Polizist aus Brandenburg, der zufällig anwesend war, half der Charlottenburgerin. Polizisten nahmen den Täter, der sich massiv zur Wehr setzte, fest. Die Schwangere wurde in einer Klinik untersucht. Die Ärzte gaben kurze Zeit später Entwarnung: Die werdende Mutter und ihr ungeborenes Kind blieben unverletzt. Der Angreifer wurde in die psychische Abteilung eines Krankenhauses eingewiesen. „Polizeilich ist er nicht vorbelastet“, sagte ein Polizeisprecher. Die Videobänder aus den Überwachungskameras seien gesichert worden, hieß es.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich auf dem U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg: Gegen 17.45 Uhr wurde ein 48-jähriger mutmaßlicher Drogenhändler von einem Mann nach Rauschgift gefragt. Als dieser ihn zurückwies, rastete der Mann aus und schlug dem 48-Jährigen eine gefüllte Glasflasche auf den Kopf. Dann zückte er ein Messer und versuchte, auf den 48-Jährigen einzustechen – dieser konnte jedoch ausweichen.

Mit seinen zwei Komplizen trat er auf das Opfer ein. Die Verdächtigen flüchteten in einen Zug der Linie U8. Ob andere Fahrgäste dem Mann zu Hilfe eilten, war nicht bekannt. Gegen 21 Uhr geriet ein 24-Jähriger auf dem U-Bahnhof Hellersdorf aus ungeklärter Ursache mit vier Männern in Streit. Einer von ihnen schlug dem Opfer gegen den Kopf, so dass es bewusstlos zu Boden ging. Während die Unbekannten flüchteten, riefen Zeugen den Rettungsdienst. Das Opfer wurde nach einer Untersuchung im Krankenhaus wieder entlassen.

Nach zwei besonders brutalen Attacken von vier Jugendlichen auf einen Malergesellen im Bahnhof Lichtenberg sowie eines Gymnasiasten auf einen 30-Jährigen im U-Bahnhof Friedrichstraße im vorigen Jahr, gab es politische Diskussionen über mehr Sicherheit im Nahverkehr.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und der damalige Innensenator Ehrhart Körting (beide SPD) hatten bekannt gegeben, künftig mit gemeinsamen Einsätzen von Polizei und BVG die Sicherheit auf Bahnhöfen und in U-Bahnzügen zu verstärken. Zudem kündigten damals die BVG und die Polizei an, jeweils 200 zusätzliche Mitarbeiter für den Streifendienst einzustellen.

Gewerkschaften kritisierten die Pläne teilweise als „Mogelpackung“, da die Streifen häufig bei Großlagen für andere Einsätze abgezogen wurden. So wurden auf dem Höhepunkt der Autobrandserie im Sommer 2011 die 60 Beamten als zusätzliche Brandstreifen rekrutiert.

Die Polizei betonte, dass die gemeinsamen Einsätze von Polizei und BVG zur Sicherheit im Nahverkehr auch in diesem Jahr weiterhin stattfinden.

Eine Gesamtzahl der Gewaltdelikte im Nahverkehr für 2011 liegt noch nicht vor. Im ersten Halbjahr wurden rund 2100 Fälle registriert – ungefähr so viel wie im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres.

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