Berlin : Schwarz und Grün flirten miteinander

Bündnisgrüne und CDU suchen ganz unverbindlich das Gespräch

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In Berlin bahnt sich eine neue „PizzaConnection“ an. Vielleicht gehen die Grünen mit den Schwarzen auch Spaghetti essen. Wolfgang Wieland, ehemals Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen und kurzzeitig Justizsenator, bestätigt die Idee, mit einigen Christdemokraten in Berlin das Gespräch zu suchen. „Außerhalb des Wahlkampfes und anderer aufgeregter Situationen könnte man mal ernsthaft über Trennendes und Gemeinsames reden“, sagte Wieland gestern dem Tagesspiegel. Ganz unverbindlich natürlich. „Es wird keine offiziellen Gespräche geben.“

Es gibt nicht einmal einen festen Termin. Irgendwann im Mai oder Juni wollen sich Landespolitiker von CDU und Grünen in einem netten Restaurant treffen. Die Initiative ging von den Grünen aus; nicht nur Wieland, auch die Fraktionsvorsitzenden Sibyll Klotz und Volker Ratzmann wollen den Versuch wagen. Auf CDU-Seite werden wohl Ex-Finanzsenator Peter Kurth, CDU-Fraktionsgeschäftsführer Nicolas Zimmer und der junge CDU-Kreischef aus Hellersdorf-Marzahn, Mario Czaja, mitmachen. Vielleicht setzt sich auch der designierte CDU-Landesvorsitzende Joachim Zeller mit an den Tisch. „Mit Zeller lässt sich reden“, sagt Wieland.

Das Problem der Grünen ist nur, dass Leute wie Zeller, Stölzl oder Kurth derzeit nicht die Berliner CDU repräsentieren. „Wer und was ist eigentlich diese CDU? Das wollen wir erst einmal ausloten“, sagt Wieland. Besonders von Kurth weiß man, dass er ein überzeugter Schwarz-Grüner ist, der ohne parteipolitisches Taktieren das Gespräch und die Zusammenarbeit sucht. Ganz anders als der Europaabgeordnete und ehemalige CDU-Generalsekretär Ingo Schmitt, der im Oktober 2000 zu einem Treffen von Union und Grünen einlud, aber nur Hohn und Spott erntete. Zu offensichtlich war der persönliche Profilierungsversuch Schmitts, der sogar vom eigenen Landesvorstand ignoriert wurde. Diesmal könnte es anders sein.

Von einer schwarz-grünen Stadtregierung wie in Köln ist Berlin zwar weit entfernt. Doch immerhin sagte die neue Grünen-Landeschefin Almuth Tharan kürzlich in einem Interview: „Wir sind offener geworden, mit der Union zu diskutieren.“ Das sind neue Töne. Auch in der Union gewinnt die schwarz-grüne Idee zunehmend Freunde. Im Abgeordnetenhaus arbeiten beide Parteien (mit der FDP) längst in Sachfragen gegen Rot-Rot zusammen. Das lockert auf. za

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