Berlin : Schwarzfahrer machen sich dünn

BVG erwischt immer seltener Kunden ohne Fahrschein – die scheuen das Risiko massiver Kontrollen

Jörn Hasselmann

Die BVG hat mit ihren massiven Schwarzfahrerkontrollen Erfolg. 2004 wurden 665 000 Fahrgäste ohne Ticket erwischt, 80 000 mehr als 2003. Das sei vor allem ein Ergebnis der wesentlich höheren Kontrolldichte. Die in zivil eingesetzten Kontrolleure seien auch für erfahrene, hartgesottene Schwarzfahrer kaum noch zu entdecken. Helmut Blocksdorf, bei der BVG für Kontrollen zuständig, kündigte an, dass in diesem Jahr 16 Millionen Fahrgäste nach ihrem Fahrschein gefragt werden sollen – das sind 50 Prozent mehr als 2003.

Die Abschreckung zeigt Wirkung: Nach Aussagen der BVG sinkt die Zahl der Fahrgäste, die ohne Fahrschein mitfahren. Laut Statistik der Verkehrsbetriebe ging die Schwarzfahrquote von 5,7 auf nur noch 3,7 Prozent zurück. Posititv wirke sich auch die wieder eingeführte Pflicht aus, den Fahrschein im Bus beim Einstieg vorzuzeigen, sagte BVG-Sprecherin PetraReetz.

Wie berichtet, hatte die BVG im April letzten Jahres das Einsteigen durch die hinteren Türen untersagt. „Durch den Vordereinstieg hatten wir 2004 Mehreinnahmen von drei Millionen Euro“, sagte Reetz. Abschreckend habe auch die höhere Strafe gewirkt, 2003 war das „erhöhte Beförderungsentgelt“ von 30 auf 40 Euro erhöht worden. Fahrgäste erleben es immer öfter, dass Kontrolleure niemanden mehr erwischen.

Das hohe Entdeckungsrisiko lässt jetzt aber einen anderen kriminellen Zweig blühen. Zunehmend werden nach Angaben des Bundesgrenzschutzes Menschen mit gefälschten Tickets erwischt. Doch das ist riskant. Denn Urkundenfälschung wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft – also deutlich schärfer als Schwarzfahren. Dafür ist maximal ein Jahr vorgesehen oder Geldstrafe. Der BGS warnt davor, Monatskarten von Privatpersonen zu kaufen. Das sei zwar nicht verboten, das Risiko einer Fälschung aufzusitzen, aber sehr hoch. Die Polizei ermittelt derzeit gegen mehrere Tätergruppen, die bei Überfällen auf BVG-Kioske und Aufbrüche von Automaten Blanko-Fahrausweise gestohlen haben. Diese werden über das Internet und Annoncen in der „Zweiten Hand“ angeboten. Bei „ebay“ lag gestern Nachmittag das Höchstgebot für eine Monatskarte kurz vor Ablauf der Auktion bei 53 Euro – knapp unter dem Normalpreis. „Wenig Ersparnis, hohes Risiko“, hieß es bei der Polizei – die schaltet jetzt Warnungen in der Zweiten Hand.

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