Berlin : Schwedische Farbe am Bootsschuppen in Heiligensee

jmw

Sogar die Farbe haben sie sich aus Schweden besorgt: "Falun-Rot", sagt Enno Bader mit unverhohlenem Stolz. Auch sonst sieht die hölzerne Bootswerkstatt an der Heiligenseestraße 112 aus, als sei sie einem Astrid-Lindgren-Buch entnommen. Nicht die schlechteste Voraussetzung für einen Ort, an dem sich Reinickendorfer Kinder wohl fühlen sollen. Enno Bader sitzt im Vorstand des Fördervereins "Halle e.V", und der hat die Bootswerkstatt für die bezirkseigene Jugendfreizeitstätte "Dachsbau" mit 20 000 Mark finanziert. "Sie hebt sich wohltuend von der Zigarrenkiste ab", sagt Enno Bader und meint damit die Freizeitstätte.

Deren Leiter Gerd Fräntzel ist froh über das Engagement des Fördervereins: "Der Bezirk hat nicht viel Geld." Dabei sucht das Angebot, das Fräntzel und sein Team bietet, in Berlin seinesgleichen. Junge Menschen können hier unter pädagogischer Betreuung ihren Segelschein machen. Jeden Sonnabend schippern sie raus auf den Tegeler See und verbessern ihre Fahrkünste - zumindest im Sommerhalbjahr. Im Winter heißt es, die Boote auf Vordermann zu bringen. "Das gehört genauso dazu", sagt Bader. "Jeder muss mindestens 15 Stunden ableisten." Mit der Halle ist das einfacher geworden: Die Reparaturarbeiten sind wetterunabhängig, und die Blitzaktionen im Frühjahr gehören der Vergangenheit an. Gerd Fräntzel erklärt, was für ihn den pädagogischen Wert des Segelns ausmacht: "Wenn man vorankommen will, müssen alle an einem Strang ziehen. Sonst geht gar nichts." Die Heiligenseer Freizeitstätte bietet natürlich mehr als Segelkurse. Regelmäßige Veranstaltungen wie Kino, Kinderdisco oder Bastelkurse zum Beispiel, aber auch die Teestube und den Billardtisch (Telefon 431 50 10). 40 Besucher von acht bis 16 Jahren kommen jeden Tag her, und viele landen früher oder später beim Segeln, Fräntzels besonderem Steckenpferd. Und da bleibt die Finanzsituation angespannt, auch wenn der Förderverein allein seit 1997 rund 170 000 Mark zugeschossen hat. "Es wäre schön", sagt Gerd Fräntzel, "wenn unsere Arbeit bei den Verantwortlichen im Bezirk noch mehr Anerkennung finden würde."

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