Berlin : Schwedische Verhältnisse

Ikea in Schöneberg öffnete inoffiziell schon zwei Tage früher – für seine Stammkunden. Andere Möbelhäuser wollen in die Nachbarschaft ziehen

Matthias Oloew

Stammkunden lieben Extras. Es soll sich schließlich auszahlen, wenn man immer wieder in denselben Laden kommt und dort eine Kundenkarte besitzt. Für die Stammkunden von Ikea war gestern solch ein Tag der Extras. Eigens für sie hatte das neue Haus am Sachsendamm in Schöneberg geöffnet. Also zwei Tage vor der eigentlichen, der offiziellen Eröffnung des dritten Hauses der Möbelkette in Berlin, in dem künftig rund 380 Personen arbeiten werden. Allen 90000 Ikea-Stammkunden – also solchen, die eine Family-Karte haben – hatte das schwedische Unternehmen geschrieben und sie zum Einkaufen eingeladen. Bis zum frühen Abend kamen über 20000, vor allem auf der Jagd nach den Eröffnungsschnäppchen. An allen 28 Kassen von Deutschlands größter Ikea-Filiale bildeten sich lange Schlangen. „Wir sind mit dem ersten Tag voll zufrieden“, bilanziert Sprecherin Lu Grandel, ohne Angaben zum Umsatz zu machen.

Es konnte auch einkaufen, wer nicht Stammkunde ist. Vorausgesetzt, man wusste, dass Ikea bereits am 25. statt wie angekündigt am 27. November öffnet. Schon knapp eineinhalb Stunden nach der Öffnung waren alle 1800 Parkplätze belegt. Die Polizei bezog Stellung und lenkte die Autofahrer auf weiter entfernt liegende Parkplätze um. Vor allem die kleineren Straßen, wie die Eresburg- und die Alboinstraße, waren schnell verstopft.

Heute bleiben die Türen zu. Für die offizielle Eröffnung am morgigen Donnerstag rechnet Ikea mit mindestens doppelt so vielen Besuchern wie am Family-Tag. Die Türen gehen schon morgens um acht auf; zwei Stunden vorher, ab sechs Uhr früh, gibt es bereits ein Unterhaltungsprogramm auf dem Parkplatz. Auch an den beiden folgenden Tagen öffnet das Haus um 8 Uhr, danach um 10 Uhr. Die Polizei empfiehlt öffentliche Verkehrsmittel. Vom S-Bahnhof Papestraße sind es sieben Minuten Fußweg, die Buslinien 146 und 204 halten in direkter Nähe.

So eine Anziehungskraft lässt auch andere jubeln. Zum Beispiel die Geschäftsführer des direkt neben Ikea liegenden Bauhaus-Marktes, der mit seinen rund 22000 Quadratmetern Verkaufsfläche ungefähr genauso groß ist wie der neue Möbelmarkt. Oder der Massivholzmöbel-Anbieter „Chalet“, der ebenfalls direkter Nachbar ist. Sie hoffen durch Ikea auf noch mehr Kunden.

Beim Bezirksamt scharren schon die nächsten Möbelhäuser mit den Füßen, um sich in nächster Nähe der Schweden anzusiedeln. So möchte die Kette Neubert-Möbel, die vor allem in Süddeutschland vertreten ist, auf dem Gelände der alten und heruntergekommenen Radrennbahn am Sachsendamm bauen. Die Senatswirtschaftsverwaltung findet die Idee sehr gut, das Bezirksamt ist weniger begeistert. Es will auf dem Gelände, in direkter Nachbarschaft zur Schwimm- und Sporthalle Schöneberg, lieber den Standort für den Sport ausbauen und spricht mit potentiellen Investoren für eine neue Sportarena. Das Ende ist offen.

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