Berlin : Schwein gehabt bei der Zollkontrolle

Behördenmitarbeiter prüften gestern, ob Bustouristen aus Osteuropa Geflügel im Gepäck mitbrachten

Thomas Loy

Nachdem er zwei Stunden herumgestanden hat, darf Veterinär Hans-Klaus Höhne endlich zur Tat schreiten. Gegartes Fleisch wurde entdeckt. Es sieht ranzig aus, könnte aber noch zum Verzehr geeignet sein. Das Fleisch gehört einem Musiker aus Rumänien, der etwas bedrückt danebensteht, Zigarette rauchend, als etwas passiert, womit keiner gerechnet hat. Höhne, jetzt vorschriftsmäßig im weißen Tierarztkittel, packt das Fleischpaket mit beiden Händen, führt es in einer schnellen Bewegung bis unter die Nase und schnuppert. In diesem Moment klicken ungefähr 20 Kameras. Es ist das Bild zur Story: Berlin im Kampf gegen die Vogelgrippe.

Die „Mobile Kontrollgruppe“ des Zolls hat zum Ortstermin geladen: Busbahnhof am ICC. Hier kommen die Busse aus Osteuropa an, auch aus Rumänien, wo es bereits Fälle von Vogelgrippe gab. Für Rumänien hat die EU einen Importstopp für lebende und tote Vögel verhängt. Auch für Federn in Bettdecken oder eingeweckte Geflügelpastete.

Der erste Bus kommt aus Kiew, Ukraine. Kein Vogelgrippen-Staat, aber kontrollieren schadet ja nicht. Die Beamten streifen sich azurblaue Gummihandschuhe über. Dann müssen alle die Koffer auspacken. Viele Reisende haben eine Stange Zigaretten dabei und ein paar Flaschen Wodka, aber das ist erlaubt. Dann finden die Beamten ein paar mysteriöse blauweiße Konserven. Was draufsteht, können sie nicht lesen. Die blonde Frau, Elena, erklärt auf Russisch, aber das versteht keiner. Also werden die verdächtigen Dosen einem „Wischtest“ unterzogen. Das schockierende Ergebnis: Spuren von Amphetaminen! Jetzt machen die Beamten ernst. Elena soll kommen und zusehen, wie eine Dose geöffnet wird. „Kokain?“, sagt sie und lacht. Das finden die Zöllner gar nicht lustig. Am Ende ist es nur zuckersüße Kondensmilch.

Tabakspürhündin Xenia dreht eine Runde durch den Gepäckraum, doch dieser Bus ist clean. Der nächste auch. Er kommt aus Sofia, Bulgarien. Auch kein Vogelgrippe-Staat. Dann, endlich, trifft der erwartete Bus aus Rumänien ein. Die Fotografen knipsen wie aufgescheuchte Hühner. Es sind aber nur neun Fahrgäste. Sie haben keine Vögel mitgebracht. Das Fleisch des Musikers ist vom Schwein. Offenkundig Schnitzel. „It´s okay“, sagt Veterinär Höhne und legt die Mahlzeit behutsam zum übrigen Gepäck.

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