Berlin : Schwein gehabt

Die Berliner trotzen der Krise und gehen gelassen ins neue Jahr. Klaus Wowereit rät schon mal, sich „nicht entmutigen“ zu lassen

Christian van Lessen

Auch am letzten Tag des Jahres sind die Berliner in Kauflaune. In den Läden werden Millionenumsätze mit Silvester-Leckereien, mit Böllern und Raketen erwartet. Die meisten Berliner sind entschlossen, um Mitternacht auf ein gutes, glückliches neues Jahr anzustoßen. Das Krisengerede hat die Stimmung nicht getrübt.

Viele freuen sich und wollen feiern, dass sie im abgelaufenen Jahr „Schwein gehabt“ haben – und dass es so bleibt. Auch der Handel hat Grund zum Feiern. „Negative Prognosen bringen uns sowieso nicht weiter“, sagt Günter Päts vom Handelsverband. „Auch die Gaststätten, der Tourismus leben von einer positiven Grundstimmung.“ Die gebe es zum Glück wider alle Erwartungen. Der Handel habe nur gemerkt, dass vor allem Billig-Discounter mehr Zulauf haben.

Nach Umfragen blicken die Berliner zwar auch skeptisch ins neue Jahr, zwei Drittel machen sich Sorgen, aber die scheinen noch unbegründet. Die vielen Arbeitsplätze, die laut diverser Wirtschaftsexperten in Gefahr sind, gibt es noch. Die Krise ist nicht greifbar und kaum zu spüren, die Stimmung gelassen. „Die größte Stärke der Berlinerinnen und Berliner war schon immer der kreative Umgang mit neuen Herausforderungen“, sagt der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in seiner Neujahrsansprache. Er verbreitet Optimismus, spricht aber auch von einer „schwierigen wirtschaftlichen Lage“.

Er appelliert an die Berliner, sich „nicht  entmutigen“ zu lassen. „Wenn Sie Anschaffungen oder Investitionen planen: Warten Sie nicht ab.Wer in die Zukunft investiert, verhindert damit, dass sich Krisenstimmung breit macht“. Die Berliner Wirtschaft sei auf gutem Weg, viele Unternehmen hätten auf Innovationen gesetzt und gut investiert. Die Banken sollten vor allem kleine und mittlere Unternehmen mit Geld versorgen, als wichtige Arbeitgeber in der Region.

„Auch mein Senat wird Zeichen des Selbstvertrauens und Engagements setzen.“ Unter anderem gebe es mehr Geld für die Schulsanierung. Wowereit erinnert an den Mauerfall, dessen 20. Jahrestag 2009 gefeiert wird. „Damals waren wir das glücklichste Volk der Welt.“ In seiner Aussicht aufs neue Jahr ist von „Glück“ nicht mehr die Rede. Die Berliner können sich zumindest auf Großereignisse freuen: Die Feiern zum Mauerfall oder die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im August mit 2500 Sportlern – ein weltweiter Werbeeffekt für die Stadt. Damit dürften auch die Touristenzahlen erneut steigen, wenngleich die Prognosen nicht mehr so euphorisch sind.

Gefeiert werden auch 60 Jahre Bundesrepublik und der Regierungs- und Parlamentsumzug vor zehn Jahren. Nach der Wiedereröffnung der Alten Nationalgalerie 2001 und des Bode-Museums 2006 feiert die Museumsinsel im Oktober den Wiederaufbau des Neuen Museums.

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