Schweinegrippe : Impfsprechstunde: Endlich die Spritze

Eltern chronisch kranker Kinder sind erleichtert: Bezirke bieten eine spezielle Impfsprechstunde an.

Jana Peters

Der zweijährige Nataphon leidet unter Asthma. Seine schwangere Mutter Siriwimon T. aus Thailand ist mit ihm und einem Freund, der für sie dolmetscht, zum Kinder- und Jugenddienst des Gesundheitsamtes Mitte gekommen. Der Freund hat zuvor per Internet und Telefon versucht, herauszufinden wo Nataphon geimpft werden kann. „Der eine Arzt will keine Kinder impfen, der zweite hat keinen Impfstoff mehr und der dritte impft nur seine Stammpatienten“, berichtet er von seiner Odyssee. Doch nun bekommt Nataphon im Haus der Gesundheit an der Reinickendorfer Straße 60b die erwünschte Spritze.

Wie die meisten Berliner Bezirke bietet Mitte ab sofort jeden Mittwoch eine Impfsprechstunde für chronisch kranke Kinder im Gesundheitsamt zwischen 14 und 18 Uhr an. Die Impfungen werden teils von niedergelassenen Kinderärzten, teils von Ärzten der Gesundheitsämter durchgeführt. Auf niedergelassene Ärzte ist das Gesundheitsamt Mitte allerdings nicht angewiesen, da es über ausreichend Personal verfügt. „Die Impfung ist das Wenigste, das machen meine Ärzte nebenbei. Organisation und Telefonieren brauchen die meiste Zeit“, erklärt Matthias Brockstedt, der Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes. Er ist aber optimistisch, dass es bald ruhiger wird. „In zwei Wochen ist der Spuk vorbei, denn dann sind alle, die jetzt krank sind, immun.“

Bisher steht sein Telefon aber nicht still. Geduldig und freundlich berät er über die Schweinegrippe-Impfung. „Dabei klingelt es heute nur alle paar Minuten. In den letzten Tagen hat es manchmal gar nicht mehr aufgehört.“

Von einem Andrang auf die Sprechstunde kann am Mittwoch kaum die Rede sein. Vier kleine Patienten werden in der ersten Stunde geimpft, angemeldet sind 18. In den vergangenen Tagen gab es aber auch schon wesentlich mehr Anfragen.

Spontan gekommen ist Claudia K. mit ihrer asthmakranken fünfjährigen Tochter Klaudia. Sie hatte morgens im Radio von der Sprechstunde gehört. Ihre Kinderärztin habe die Impfung von Klaudia empfohlen, sagt sie. Die Meldung vom Tod eines kranken Kindes nach der Impfung verunsichert sie nicht. „Dieses Kind war schwer krank. Klaudia geht es gut.“ Ihre zweijährige Tochter Nelli lässt sie aber nicht impfen, sie gehört nicht zur Risikogruppe. „Auch ich lasse mich nicht impfen.“ Auch Kathrin B. ist mit ihren beiden Kindern zur Sprechstunde gekommen. Die haben zwar keine chronischen Krankheiten, sie selbst ist aber schwanger. „So verschaffe ich mir passiven Schutz.“ Verägert ist sie über die „große Panik, die geschürt wird“. Und dass die Impfaktion in Berlin „ganz schlecht organisiert ist“.

Jana Peters

Infos zum Impfangebot für chronisch kranke Kinder erhält man bei den Hotlines der Bezirke und auf deren Websites.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar