Schweinegrippe : Impfung: Absagen in drei von vier Praxen

Ansturm auf die Arztpraxen, fehlender Impfstoff, frustrierte Patienten: Die Immunisierungsaktion gegen die Schweinegrippe hat am Montag in Berlin teilweise chaotisch begonnen.

Christoph Stollowsky

Bei vielen niedergelassenen Hausärzten und Internisten, die sich an der Kampagne beteiligen, gab es bereits am Vormittag jeweils mehr als hundert Anfragen wegen eines Impftermines. Doch in drei von vier Praxen bekamen die Interessenten eine Absage. „Der Impfstoff wurde noch nicht an uns ausgeliefert“, hieß es als Begründung. Bevor nicht klar sei, wann man die angeforderten Dosen erhalte, werde noch niemand einbestellt. Die Gesundheitsverwaltung erklärte dazu, spätestens bis Mittwoch würden alle bislang beteiligten Praxen mit dem Serum „Pandemrix“ versorgt sein.

Der Grund für die Anlaufschwierigkeiten ist offenbar, dass in vielen Fällen die formalen Voraussetzungen für die Auslieferung noch nicht vorlagen. Der Impfstoff wird an alle bislang etwa 200 beteiligten Praxen von einem zentralen Großlager aus vereteilt – der Schöneberger St. Hubertus-Apotheke. Nach Auskunft von deren Inhaber, Bernd Drevenstedt, können die Bestellungen der Arztpraxen erst bearbeitet werden, „wenn diese von der Gesundheitsverwaltung als Impfpraxen offiziell anerkannt sind und ein entsprechender Vertrag abgeschlossen ist.“ Etliche Ärzte, bei denen das erst Ende vergangener Woche geschehen sei, hätten dennoch schon vorher Pandemrix geordert. Drevenstedt: „Wegen der fehlenden formalen Voraussetzungen blieben diese Bestellungen aber erst einmal liegen.“

Bis Montagabend sollte der Impfstoff laut Gesundheitsverwaltung an rund 90 Praxen ausgeliefert sein. Am Dienstag würden weiter5e 105 Praxen beliefert, heißt es. Die St. Hubertus-Apotheke garantierte gestern, dass ab sofort keine Arzt länger als 48 Stunden auf die Anlieferung warten müsse. „Wir sind derzeit in der lage, bis zu 1000 Impfstellen pro Woche anzufahren.“

Viele Arztpraxen warteten am Montag vergeblich auf den Impfstoff. Patienten hatten deshalb auch keine Chance, sich telefonisch für einen Termin in den nächsten Tagen vormerken zu lassen. Zur Begründung gaben die Ärzte an, keine Informationen über den Zeitpunkt und die Liefermenge des Impfstoffes erhalten zu haben.

In Brandenburg werden die Impfstoffe über die Apotheken an die Ärzte verteilt. Wegen des Ansturms von Interessenten brach die Internetseite der Kassenärztlichen Vereinigung mit den Listen der Impf-Praxen zeitweilig am Montagvormittag zusammen. Erst in den Nachmittagsstunden konnte die Seite wieder aufgerufen werden.


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