Schweinegrippe-Impfung : Am ersten Tag gingen die meisten Patienten leer aus

Ausnahmebetrieb in der Hausarztpraxis in der Straße Alt-Buch am nördlichen Stadtrand: Mehr als 100 Anrufer erkunden sich bereits in den ersten zwei Stunden nach einem Termin für die Impfung gegen das H1N1-Virus. Doch es gibt nur Vertröstungen.

Claus-Dieter Steyer/Jana Peters

Ausnahmebetrieb in der Hausarztpraxis in der Straße Alt-Buch am nördlichen Stadtrand: Mehr als 100 Anrufer erkundigen sich bereits in den ersten zwei Stunden nach einem Termin für die Impfung gegen das H1N1-Virus. Doch es gibt nur Vertröstungen. „Der Impfstoff ist noch gar nicht eingetroffen“, sagen die Helferinnen standardmäßig. „Angesichts der Ungewissheit, wann das Serum geliefert wird, können wir noch keine Impftermine ausgeben.“ Das Praxisteam ist an diesem Tag vielfach belastet und entsprechend gestresst. Denn das Wartezimmer ist schon wegen der normalen Erkältungskrankheiten zurzeit übervoll. Deshalb und wegen des zusätzlichen Andranges durch die Schweinegrippe steht am Montag an der Tür ein Schild: „Bis 12 Uhr keine Patientenannahme.“

Vor der Tür reagieren viele aufgebracht. „Da wird seit Tagen der Termin bekannt gegeben und dann stehen wir hier auf verlorenem Posten“, schimpft Erwin Richter. Er sei chronisch krank und habe seit frühmorgens pausenlos versucht, die im Internet bekannt gegebene Praxis in seiner Nähe zu erreichen. „Jetzt komme ich mir veräppelt vor.“

Ganz anders verläuft der Impfstart dagegen in der Praxis des Kreuzberger Allgemeinmediziners Jan Seeliger. Er hatte das Serum bereits am Freitag erhalten. „Das ging ganz unproblematisch“, sagt er. In seiner Praxis vergibt die Arztfachhelferin Daria Biegisch keine Termine für die Impfung, weil es einfach zu viele Interessenten gibt. Die Patienten können vorbeikommen und müssen mit ein bis zwei Stunden Wartezeit rechnen. „Die Impfung geht weg wie warme Semmeln“, sagt sie lachend. Allein am Montag wurden mehr als 40 Patienten immunisiert. In den nächsten Tagen müsse man allerdings Impfstoff nachbestellen.

Spontan ist Nalan Aksakal (34) in die Praxis gekommen. Sie unternimmt nächste Woche eine Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien und muss eine Impfung vorweisen. „Meine 5- und 8-jährigen Kinder werde ich ebenfalls gleich impfen lassen – obwohl sie nicht mit mir auf die große Reise gehen.“

Unterdessen muss die 32-jährige Amerikanerin Kari Moshenberg, die in der 18. Woche schwanger ist, unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen. Vom umstrittenen Impfstoff mit Verstärker haben ihr die Ärzte abgeraten, einen anderen gibt es aber vorerst nicht in Deutschland. „Ich bin super verärgert“, sagt sie. Für ihre Reise in die USA in der nächsten Woche will sie sich nun einen Mundschutz kaufen.Claus-Dieter Steyer/Jana Peters

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