Schweinegrippe : Impfung in 2000 Praxen

Die Impf-Aktion gegen Schweinegrippe startet am 26. Oktober. Gefährdete Berliner haben zunächst Vorrang.

In Berlin wird die Schweinegrippe-Impfung auf rund 2000 Arztpraxen konzentriert – also auf weniger als ein Drittel der vorhandenen 6500 Praxen. Das kündigte Marlen Suckau, Referentin für Infektionsschutz in der Senatsverwaltung für Gesundheit, am Dienstagabend auf einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte in der Charité an. Aus logistischen Gründen sei es nicht möglich, die begrenzte Impfstoffmenge an alle niedergelassenen Hausärzte, Kinderärzte und Gynäkologen zu verteilen – zumal das Präparat gekühlt und innerhalb von 24 Stunden gespritzt werden müsse. Welche Ärzte ab 26. Oktober gegen die Schweinegrippe impfen werden, müsse noch konkret entschieden werden, so Suckau.

Die Bürger sollen sich auf einer Internetseite sowie über eine Telefonnummer informieren können, wo in ihrer Nähe geimpft wird. Beide Info-Angebote sollen in der kommenden Woche freigeschaltet werden, bis dahin will die Senatsverwaltung auch die letzten offenen Fragen geklärt haben. Die Impfung von dem sogenannten „Schlüsselpersonal“ wie Klinikmitarbeitern, Polizisten oder Feuerwehrleuten übernehmen nach den Plänen des Senats die jeweiligen Betriebsärzte. Die niedergelassenen Ärzte sollen in der ersten Impfphase bevorzugt chronisch Kranke immunisieren, die besonders anfällig für einen schweren Verlauf der Schweinegrippe sind. Gesunde, die unbedingt eine Injektion für sich fordern, sollten allerdings nicht abgewiesen werden, riet Suckau den Ärzten. Die Gesundheitsämter der Bezirke sollen als ergänzende Anlaufstellen für Impfwillige dienen.

Die Berliner Ärzteschaft scheint merklich gespalten in der Frage nach dem Sinn einer Impfung. Ein Besucher der Veranstaltung in der Charité bezeichnete die geplanten Maßnahmen als „gigantischen Feldversuch“, weil der Wirkstoff nicht ausreichend getestet sei. „Gegen diesen Begriff wehre ich mich entschieden“, antwortete Suckau. Günther Jonitz, Präsident der Ärztekammer Berlin, stellte die Therapiefreiheit seiner Zunft heraus. Jeder Arzt müsse abwägen, ob eine Impfung oder Nichtimpfung riskanter für die Patienten sei. „Es ist jedenfalls nicht unsere Aufgabe, Angst zu schüren.“

Die Skepsis der Mediziner spiegelt auch das Zwischenergebnis einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmedizin der Charité unter Berlins niedergelassenenÄrzten wider. Demnach wollen sich nur 31 Prozent der Ärzte selbst impfen lassen, genauso viele lehnen das ab. Der Rest zeigt sich noch unschlüssig. Drei Viertel der Ärzte werten die aktuelle Berichterstattung über die Schweinegrippe allerdings als „Panikmache“. wek

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