Schweinegrippe-Impfung : Kinderärzte erwarten neuen Ansturm

Viele Eltern sind wegen der Schweinegrippe besonders sensibilisiert und gehen am Wochenende mit ihren Kindern zum Arzt.

Udo Badelt
Schweinegrippe
Impfung gegen Schweinegrippe in den USA. -Foto: dpa

Wenn dieses Wochenende so wird wie das vergangene, dann stehen Peter Hauber anstrengende Stunden bevor: 209 Kinder haben der Kinderarzt und zwei Kollegen am Sonnabend in seiner Steglitzer Praxis behandelt, am Sonntag waren es 221, davon hätten 80 Prozent Symptome der Schweinegrippe gezeigt. „Absoluter Rekord“, sagt er. „In Berlin herrschen bei der kinderärztlichen Versorgung am Wochenende Zustände wie in Kalkutta.“ Denn auch in den Rettungsstellen der Krankenhäuser kam es zu Wartezeiten von bis zu sechs Stunden.

Was ist das Problem? Zusätzlich zum saisonal bedingten Anstieg der Kinderkrankheiten im November sind viele Eltern wegen der Schweinegrippe besonders sensibilisiert. Sie warten nicht auf die regulären Öffnungszeiten, sondern gehen mit ihren Kindern schon am Wochenende zum Arzt. Gerade am Sonntag dürfen aber Praxen nicht öffnen, der Senat droht mit einem Bußgeld. Peter Haubers Medizinisches Versorgungszentrum für akut kranke Kinder ist seit Jahren die einzige Berliner Praxis, die am Sonntag öffnet, seit kurzem sogar mit offizieller Erlaubnis von Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Ansonsten haben Eltern die Möglichkeit, in eine der Erste- Hilfe-Stellen (DRK Klinikum Westend, St. Joseph-Krankenhaus, Kinderkrankenhaus Linderhof oder DRK Klinikum Mitte) zu gehen. Dort arbeitet jeweils ein von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) eingeteilter niedergelassener Kinderarzt, aber auch hier gab es am vergangenen Wochenende Schlangen bis auf die Straße. Also gehen Eltern in die Rettungstellen der Kliniken, die dafür eigentlich gar nicht vorgesehen sind. „Wir sind nicht an, sondern jenseits der Grenze“, sagt Ulrich Wahn, Leiter der Kinderklinik im Virchow-Krankenhaus. „Drei Kinderärzte arbeiten bei uns am Sonntag, mehr ist auch mit äußerster organisatorischer Raffinesse nicht zu schaffen.“

Peter Hauber fordert von der KV, die Erste-Hilfe-Stellen mit mindestens zwei Ärzten zu besetzen. KV-Vorsitzende Angelika Prehn reicht den Ball jedoch an die Kinderärzte selbst weiter: „Wir haben Schwierigkeiten, die Dienste zu besetzen. Viele wollen am Wochenende bei ihren Familien sein. Von 340 Kinderärzten in Berlin waren zuletzt nur 41 bereit, sonntags zu arbeiten.“ Sie gibt aber auch zu bedenken, ob man wirklich sofort zum Arzt muss, wenn das Kind 37,5 Grad Fieber hat. Auch Ulrich Fegeler, Sprecher des Berufsverbandes Kinder- und Jugendärzte in Deutschland, ist vorsichtig mit zusätzlichen Angeboten am Wochenende: „Das ist wie beim Autobahnbau: Immer mehr Straßen ziehen immer mehr Verkehr an.“ Peter Hauber dagegen meint: „Bei Säuglingen und Kindern ist man nie sicher. Ein Ohrenschmerz am Sonntag kann eine Mittelohrentzündung am Montag sein.“ Udo Badelt

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