Schweinegrippe : Weniger Ansteckungen, aber keine Entwarnung

Die Schweinegrippe-Welle scheint abzuklingen – wenigstens vorerst. Von den 24 Ärzten, die laut Kassenärztlicher Vereinigung auch am Sonntag Sprechstunde haben, ließen gestern mehr als die Hälfte ihre Praxen geschlossen.

Fatina Keilani
Schweinegrippe
Schweinegrippe-Virus fordert erstes Todesopfer in Berlin.

Die Schweinegrippe-Welle scheint abzuklingen – wenigstens vorerst. Von den 24 Ärzten, die laut Kassenärztlicher Vereinigung auch am Sonntag Sprechstunde haben, ließen gestern mehr als die Hälfte ihre Praxen geschlossen. Die erreichbar waren, berichteten fast einmütig: Bei uns ist heute wenig los. Das galt für Praxen, die impfen, ebenso wie für die anderen. Sogar aus der Rettungsstelle des Urban-Krankenhauses hieß es am späten Sonntagnachmittag: „Heute war es sehr ruhig hier.“ Noch vor zwei Wochen hatten wir von dort über Riesenandrang und stundenlange Wartezeiten berichtet.

„Die Erkrankungszahlen explodieren nicht mehr so“, sagt auch der Schöneberger Allgemeinmediziner Luca Daniel Stein, der mit mehreren Kollegen eine Praxis in der Motzstraße betreibt. In den vergangenen zwei Wochen konnten dort gut 400 Patienten geimpft werden. Viele andere Patienten hatten die Schweinegrippe bis dahin schon. „Aber praktisch alle mit leichtem Verlauf“, so Stein. Nur ein Patient musste im September ins Krankenhaus.“

Auch der einzige Berliner Kinderarzt, der am Sonntag geöffnet hat, Peter Hauber aus Steglitz, sieht eine leichte Besserungstendenz. Vor 14 Tagen schleuste er 530 Patienten am Wochenende durch die Praxis, jetzt waren es viel weniger. Der geringere Ansturm auf die Praxen hängt nach Einschätzung der Mediziner aber vermutlich auch damit zusammen, „dass viele Menschen die Schweinegrippe inzwischen gelassener hinnehmen.“

Entwarnung wollte die Gesundheitsverwaltung für Berlin aber nicht geben: „Wir sind noch nicht über den Berg“, heißt es. Zumindest in der vergangenen Woche hätten die Infektionszahlen noch stark zugenommen. In Bayern ist das inzwischen anders. Für Berlin müsse man erst mal die neue Zahlen abwarten.

Ein diensthabender Arzt am Urbankrankenhaus wollte ebenfalls keine voreiligen Schlüsse ziehen: „Das kann auch am ersten Advent und dem Opferfest liegen; wenn alle zusammen feiern, gibt es in ein paar Tagen wieder mehr Kranke.“

Zur Frage der Ansteckung im häuslichen Bereich fertigt das Robert-Koch-Institut (RKI) gerade eine Studie an. Die Probanden werden ab Beginn der Infektion begleitet; täglich werden Abstriche von ihnen und den Personen im nahen Umfeld genommen, um den Verlauf der Ansteckung im häuslichen Raum zu erforschen.

Am Mittwoch will sich die Ständige Impfkommission (Stiko) wieder äußern. Die Gesundheitsverwaltung erwartet, dass dann die Impfempfehlung auch auf alle gesunden Bürger ausgeweitet wird. Bisher war vorrangig medizinischem Personal und chronisch Kranken eine Immunisierung nahegelegt worden. 4,8 Millionen Deutsche sind mittlerweile geimpft. Wie viele Berliner darunter sind, konnte die Gesundheitsverwaltung gestern nicht sagen, da die Rückmeldungen von den Ärzten noch ausstünden. Die meisten Erkrankten bekommen nur die normalen Grippesymptome wie Husten und Fieber. Für sie gilt, so der Schöneberger Mediziner Stein: ruhen und viel trinken, wenig fremde Hände schütteln und häufig eigene Hände waschen.Fatina Keilani

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