Berlin : Schweizer Botschafterpaar: Tor zur Welt

Christian Domnitz

In Berlin wird gefeiert. Zur Eröffnung der Botschaft präsentierte sich die Schweiz tolerant und humorvoll

Rotes Kleid, weiß gemustert. Roter Mund, rote Absatzschuhe, roter Püschel am Hut: Was wollen die Fotografen nur? Shawne Borer-Fielding, die Frau des Schweizer Botschafters, trägt schließlich die Nationalfarben. Auf der Eröffnung der Schweizer Botschaft gestern Abend leuchten auch die Tischtücher rot in der untergehenden Sonne, eine weiße Stoffbinde hält sie fest.

200 Ehrengäste hat Botschafter Thomas Borer eingeladen, genauso viele Journalisten haben sich zur Feier akkreditiert. Umweltminister Jürgen Trittin ist da, von den Grünen auch Claudia Roth und Rezzo Schlauch. Schulsenator Klaus Böger wird gesehen und vertritt als Bürgermeister auch das Land Berlin, während der Regierende Eberhard Diepgen auf dem CDU-Parteitag sich wiederwählen lässt. SFB-Programmdirektorin Barbara Groth und Isa Gräfin von Hardenberg laufen durch den Botschaftsgarten. Kanzler Schröder und sein Außenminister sind in Paris, Innenminister Otto Schily vertritt die beiden und hält eine Rede.

Der Schweizer Bundespräsident Moritz Leuenberger spricht zur Begrüßung launige Worte, spielt auf die umstrittene Gestaltung des Botschaftsanbaus und des benachbarten Kanzleramts an: "Wir sehen das Kanzleramt, der Kanzler sieht uns." Ausgleichende Gerechtigkeit also. Doch sollten die Anblicke nicht die gute Nachbarschaft stören, zwischen Botschaft und Kanzleramt ebensowenig wie zwischen Deutschland und der Schweiz. Und genauso wie in Berlins Mitte gebaut werde, solle auch an Europa gebaut werden, wenn auch verschieden schnell und in verschiedenen Baustilen. Europa sei mehr als nur die Europäische Union.

Vier zwölfjährige, kecke - "hier lang!" - Schweizerinnen führen die Ehrengäste danach durch das Haus. Melany, Merita, Belgin und Maurin sollen wie ihr Heimatland sein: Weltoffen, ein Mix verschiedener Völker. Ihre Eltern kommen aus der Schweiz, aus der Türkei, aus dem Kosovo und aus Jakarta. Die vier sind Schulkameradinnen. Sie besuchen ein Gymnasium in Zürich. Die Gäste können das gesamte Gebäude besichtigen, nur die Privaträume des Botschafterpaars nicht - doch Hausherr Borer beweist Humor: Am Eingang zur Wohnung singen drei junge Männer das "Lied an die unerreichbare Schönheit". Der Refrain: "Schön, schön, schön, Shawne bist du".

Borer hat Aktionskünstler und Sänger im Haus postiert. Er will die Schweiz nicht präsentieren als das Land der Nummernkonten und Chocolatiers, sondern als weltoffene und tolerante Nation. Eine Cellistin spielt avantgardistische Töne, ein Spaßmacher erzählt Anekdoten über die Geschichte des Hauses. Schon 1919 residierte die Schweiz dort, die Bomber ließen das Haus stehen, während der Weltkrieg die Stadt erschütterte: Lang blieb es eine Insel im Niemandsland neben Reichstag und Mauer. Im Botschaftsgarten spielt ein Flötenensemble, auch auf der Straße und im Festzelt gibt es bis Mitternacht Unterhaltung für die Gäste.

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