Schwenkow streitet mit Berlin : Konzertmanager will die Waldbühne zurück

Konzertveranstalter Peter Schwenkow will als Betreiber zurück in die Waldbühne. Dafür verlangt er eine Ausschreibung. Doch das Land bevorzugt einen ebenfalls renommierten Konkurrenten.

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Berlins größtes Zeltlager. Die Waldbühne stammt aus den 1930ern. Das charakteristische Bühnendach erhielt sie erst viel später.
Berlins größtes Zeltlager. Die Waldbühne stammt aus den 1930ern. Das charakteristische Bühnendach erhielt sie erst viel später.Foto: Imago

Da ist Musike drin: Peter Schwenkow, Berlins bekanntester Konzertveranstalter, will sich als Betreiber der Waldbühne bewerben – und ist deshalb gegen das Land Berlin vor Gericht gezogen. Schwenkow, der sich nach einem Intermezzo als CDU-Abgeordneter wieder voll auf seine Arbeit als Vorstandschef der Deutschen Entertainment AG (Deag) konzentriert, hat nach eigener Aussage vor dem Landgericht eine einstweilige Verfügung erstritten. Die untersage der Senatsverwaltung für Inneres, den Pachtvertrag für die Waldbühne „ohne eine transparente und diskriminierungsfreie Ausschreibung“ zu verlängern.

Genau das haben die Beamten von Schwenkows Parteifreund Frank Henkel (CDU) allerdings vor: Sie wollen „zeitnah einen neuen Pachtvertrag mit dem jetzigen Pächter“ abschließen. Gemeint ist die vor allem als Ticketverkäufer bekannte Firma CTS Eventim mit Sitz in München und Bremen. Das Unternehmen hatte 2008 eine vom damaligen Innensenator Ehrhart Körting (SPD) veranlasste Ausschreibung gewonnen. Zu den damaligen Bedingungen habe gehört, dass der Vertrag drei Jahre mit einmaliger Option auf zweijährige Verlängerung laufe, sagt Schwenkow. Eine weitere Verlängerung sei ausdrücklich nicht zulässig.

Der aktuelle Vertrag mit CTS Eventim läuft bis Ende des Jahres. Ob das, was danach kommt, eine Verlängerung oder ein Neuvertrag ist, dürfte ein Schmankerl für Juristen sein. Henkels Sprecher Stefan Sukale stellt jedenfalls klar: „Eine Ausschreibung ist rechtlich nicht vorgeschrieben, da es sich um einen reinen Pachtvertrag handelt“ – im Unterschied zu einem Pacht- und Betreibervertrag. Laut Sukale darf sich „auch die öffentliche Hand – wie jeder Eigentümer – den Pächter aussuchen, den sie für am geeignetsten hält.“ Die Zusammenarbeit mit dem aktuellen laufe reibungslos, und die Konditionen „sind pro Veranstaltung unverändert sehr günstig für das Land“.

An diesem Punkt setzt Schwenkow an: Vielleicht bringe ja die Ausschreibung noch bessere Bedingungen. Er wolle zumindest die Chance, sich zu beteiligen – zumal auch andere Veranstaltungsunternehmen teilnehmen könnten. Wobei der naheliegendste Kandidat, die zur Gegenbauer-Gruppe gehörende Velomax, nach Tagesspiegel-Informationen aktuell keine derartigen Ambitionen hegt. Schwenkow sagt, für seine Deag mit ihren mehr als 200 Millionen Euro Umsatz im laufenden Jahr sei die Waldbühne „finanziell keine richtig große Nummer“. Es gehe ihm eher um „politische Hygiene“; er wolle „kein Munkelpunkel“. Nun hofft er, dass Henkel sich auf die Ausschreibung einlässt, statt sich juristisch zu wehren.

Derweil hofft CTS Eventim, dass die „sehr konstruktiven“ Verhandlungen über einen neuen Pachtvertrag Erfolg haben. Vizechef Rainer Appel verweist auf neue Rekorde aus den vergangenen Jahren wie die 270000 Zuschauer an 21 Veranstaltungstagen im Jahr 2013. Für Schwenkow dürfte die Waldbühne auch nostalgischen Reiz haben: Mit einem Partner hatte er die Freilichtbühne 1981 übernommen und 28 Jahre lang bespielt. Involviert ist er als Konzertveranstalter auch jetzt noch. Und im Kampf mit dem Senat ist er spätestens seit dem Gezerre um die Aufbauten für die „Seefestspiele“ im und am Wannsee ebenfalls erprobt. Gewonnen hat Schwenkow aber längst nicht immer.

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