Berlin : Schwerer Unfall, großes Glück

Reisebus raste in Kleinbus, der auf der A 100 einfach angehalten hatte. Ernsthaft verletzt wurde niemand

Jörn Hasselmann

Die Augenzeugen wollten nicht glauben, dass alle Insassen des total zerstörten Kleinbusses den Unfall überlebt hatten – zu sehr erinnerte er an das Unglück vor zwei Jahren auf der A 24 bei Kremmen. Auch damals war ein Reisebus in einen Kleinbus gerast. Fünf Kinder und eine Frau starben damals in dem Wrack. „Glück im Unglück“, sagte gestern ein erleichterter Polizist. 14 Menschen wurden leicht verletzt. Nahezu ungebremst war am Sonntag um 17 Uhr ein holländischer Reisebus auf der Stadtautobahn A 100 gegen einen auf der Fahrbahn haltenden Mercedes-Bus aus Herford gerast. Die vier Erwachsenen und fünf Kinder in dem „Sprinter“ wurden auch nur leicht verletzt. In dem aus dem holländischen Helden stammenden modernen Reisebus wurden neben dem 54-jährigen Fahrer drei Passagiere leicht verletzt. Die 29 Senioren, die über Pfingsten Berlin besuchten, waren am Sonntag auf der Rückfahrt von einem Potsdam-Ausflug in ihr Hotel in Reinickendorf. Die Gruppe fuhr gestern vollständig in die Heimat zurück.

Der holländische Fahrer sagte aus, er habe zu spät erkannt, dass der weiße Mercedes stand. Wieso, das bleibt rätselhaft. Der aus Syrien stammende Fahrer des Kleinbusses wurde noch nicht befragt. Der Mietwagen wurde von der Polizei beschlagnahmt. Am Unfallort in Höhe Detmolder Straße hat die A 100 keinen Standstreifen. Die A 100 war zwei Stunden bis gegen 19 Uhr Richtung Norden gesperrt, bis 20.30 Uhr gab es nur eine Spur.

„Möglicherweise hielt der Fahrer zum Kartenlesen“, hieß es bei der Polizei. Denn in Sichtweite des Unfallortes ist das Autobahnkreuz Wilmersdorf ausgeschildert. „Wir erleben täglich, dass zum Telefonieren oder zum Lesen des Stadtplanes gehalten wird“, sagte ein Beamter der Autobahnpolizei – auch wenn das verboten ist. In Berlin gibt es mehrere Abschnitte ohne Standstreifen. So im Norden Richtung Hamburg, am Dreieck Funkturm an den Überleitungsfahrbahnen und eben auf dem Stadtring Süd. Ab Innsbrucker Platz in Richtung Westen habe es ursprünglich zur Sicherheit einen Standstreifen und nur zwei Fahrspuren gegeben, sagte ein Beamter der Autobahnpolizei. Vor Jahren wurden die Streifen neu markiert: Seitdem gibt es drei Fahrspuren und keinen Standstreifen mehr – die Autobahn sollte leistungsfähiger gemacht werden. Dennoch passiere vergleichsweise wenig auf der Stadtautobahn, hieß es. Begründung: Das Tempo ist recht gering und wegen des starken Verkehrs passen alle besser auf. Zuletzt war im März ein 66-Jähriger getötet worden, der auf der A 111 ein Polizeiauto übersehen hatte, das mit Blaulicht und Warnblinker eine Unfallstelle sicherte.

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