Schwerkriminalität : Polizei fasst fünf gefährliche Räuber

In zwei Einsätzen hat die Polizei am Montagabend fünf gefährliche Räuber festgenommen. Zwei Täter hatten sich gemeinsam auf Postfilialen spezialisiert, die anderen auf Supermärkte. Gegen sie wurden Haftbefehle erlassen.

Jörn Hasselmann

Die beiden Hauptbeschuldigten, die aus dem Libanon stammen, werden bei der Staatsanwaltschaft als Intensivtäter geführt. Gegen einen hat die Polizei mehr als 100 Ermittlungsverfahren geführt. Oberstaatsanwalt Ingo Kühn, Leiter der Intensivtäterabteilung bei der Justiz, sprach von einem „Doppelschlag gegen die Schwerkriminalität“.

Die Postbank-Räuber wurden nach einem Überfall auf eine Hamburger Filiale von Spezialkräften der Polizei auf der Autobahn kurz vor Berlin mit einem künstlichen Stau ausgebremst und danach überwältigt. Sie hatten Stunden zuvor knapp 140 000 Euro erbeutet. Bei dem Überfall waren sie, mit Wissen der Hamburger Polizei, von Berliner Beamten bereits observiert worden. Um eine Gefährdung der Angestellten und eine mögliche Geiselnahme zu vermeiden, erfolgte die Festnahme erst später auf der Autobahn.

Die Polizeiführung wies gestern den Bericht einer Boulevardzeitung zurück, dass die Polizei „zugesehen“ habe. „Ein Eingreifen hätte schnell in eine Geiselnahme wie in Gladbeck umschlagen können“, sagte LKA-Abteilungsleiter Bernd Finger gestern. „Und wir durften auch keinen Schusswechsel auf der Straße riskieren.“ Im nordrhein-westfälischen Gladbeck hatten vor 20 Jahren zwei Bankräuber Geiseln genommen und zwei von ihnen später erschossen.

Die Polizei hatte im Mai 2007 einen Tipp bekommen, dass der 24-jährige Imad El-K. hinter einer Serie von Überfällen auf Postbanken stecke. In der Folge waren er und der 23-jährige Nenad H. hin und wieder observiert worden, ohne dass es zu weiteren Taten kam. Erst im Januar sollen die beiden dann doch zwei Postfilialen in Wilmersdorf und Zehlendorf überfallen haben. Obwohl bei einer Wohnungsdurchsuchung Geldbündel aus einem dieser Überfälle gefunden wurden, reichte der Tatverdacht nicht für einen Haftbefehl. Danach wurden die beiden Männer wieder observiert – auch als sie am Montag einen schnellen Mercedes mieteten und nach Hamburg fuhren.

In Altona stoppten die beiden um 18.30 Uhr vor einer Postbank-Filiale. „Blitzartig“, so Chefermittler Carsten Wendt, seien sie aus dem Auto gesprungen. In der Filiale bedrohten sie eine Angestellte mit einer Schusswaffe und raubten mehrere Geldbomben. „Das hat keine Minute gedauert“, sagte Wendt. Die wenigen, in einiger Entfernung im Auto sitzenden Zivilbeamten mussten den Überfall mit ansehen. Auch bei größerer Polizeistärke wäre kein Sofortzugriff ratsam gewesen, hieß es. Da der Mercedes mit einem Peilsender versehen war, konnten die Beamten ihn trotz Tempo 230 auf der Autobahn nicht verlieren. „Es gab keinen Schusswechsel und keine Gefährdung“ lobte LKA-Mann Finger den Einsatz.

Die andere Gruppe hatte sich auf Lebensmittelmärkte, vor allem Aldi-Filialen, spezialisiert. Die drei Araber wurden am Montagabend in Groß-Ziethen festgenommen, nachdem sie eine halbe Stunde vor einer Aldi-Filiale gewartet hatten. Die Polizei, die einen Überfall erwartete, hatte die Angestellten telefonisch gewarnt, die sich daraufhin einschlossen. Bei früheren Taten hatte das Trio gewartet, bis das Personal abends den Laden verließ, und es dann mit Waffengewalt gezwungen, den Tresor zu öffnen.

In der vergangenen Woche hatte die Polizei mit 150 Beamten allabendlich im Süden Neuköllns alle Aldi-Märkte observiert – ohne Ergebnis. Überraschend überfiel das Trio dann erstmals morgens eine Filiale. Sie raubten zwar Geld, machten aber einen Fehler. Der Kripo gelang es kurz nach dem Überfall, Hussein N. als Täter zu identifizieren. In der Folge wurde der bei der Staatsanwaltschaft als Intensivtäter geführte Mann observiert – bis nach Groß-Ziethen. Dort wurde der 19-Jährige festgenommen, ebenso der erst 17-jährige Salman H. sowie der 21 Jahre alte Hussam M. Chefermittler Manfred Schmandra rechnet der Gruppe bis zu 25 Taten zu. Jörn Hasselmann

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