Berlin : Schwerter statt Pflugscharen

Nach den Römern in „Gladiator“ hat sich Regisseur Ridley Scott jetzt die Kreuzritter vorgenommen. Gestern stellten er und die Schauspielerin Eva Green das „Königreich der Himmel“ in Berlin vor

Andreas Conrad

Es ist gar nicht so lange her – und verglichen mit dem Mittelalter war es gerade erst gestern –, da gehörten Verse wie diese in deutschen Schulen zum Pflichtprogramm: „Als Kaiser Rotbart lobesam / Zum heil’gen Land gezogen kam, / Da musst er mit dem frommen Heer / Durch ein Gebirge wüst und leer.“ Das stammt von Ludwig Uhland, einem Verseschmied mit sicherem Gespür für Action, bevor dieses Wort im deutschen Sprachraum überhaupt eingeführt war. Man nehme nur zwei weitere Zeilen aus der Ballade „Schwäbische Kunde“: „Zur Rechten sieht man wie zur Linken, / Einen halben Türken heruntersinken.“

Damit sind wir schon mitten drin in der blutigen Welt von Ridley Scott und seinem neuen Film „Königreich der Himmel“. Gestern kam der Regisseur für zwei Tage nach Berlin, um hier in einem Interviewmarathon im Regent Hotel am Gendarmenmarkt das Historienstück vorzustellen, assistiert von der Schauspielerin Eva Green, die in einem Ritterfilm naturgemäß nicht viel mehr zu tun hat als den Helden Balian von Ibelin zu becircen. Am Montagabend durften die beiden sich dann im „Qui“ des Madison-Hotels am Potsdamer Platz beim Cocktailempfang ein wenig entspannen.

Den von „Herr der Ringe“-Star Orlando Bloom gespielten Kreuzritter Balian, Verteidiger der Heiligen Stadt, hat es tatsächlich gegeben wie auch seinen Gegenspieler, den Sarazenenführer Saladin. Ein Film also, der auf historischen Fakten beruht, wenngleich es keine Dokumentation sei, wie Scott schon im Vorfeld des Besuchs betonte: „Wir haben einen Punkt der Geschichte gewählt, in dem es einen Zustand des Friedens gab, wie wir ihn heute offenbar nicht mehr herbeiführen können.“

Der Regisseur sieht in dem Stoff offenbar eine Art Aufruf zu religiöser und weltanschaulicher Toleranz, was in der fraglichen Region heutzutage nicht gerade vorbildlich erreicht wird: Der an seinen Hardlinern gescheiterte Baldwin, König von Jerusalem, folgte für Scott „wirklich dem Vorbild der Muslime, die die Stadt früher regiert hatten, indem er ebenso wie diese den Angehörigen anderer Religionen erlaubte, ihren Glauben zu praktizieren.“

Ein edler Hintersinn für ein blutiges Schauspiel, das sich mehr als zwei Stunden lang vor dem Zuschauer entfaltet (ab 5. Mai im Kino). Von einer Blutschuld gequält, trachtet der sehr edle Balian, illegitimer Sohn eines Kreuzritters, in Jerusalem dem Ehrenkodex wie auch der Schlagkraft des väterlichen Standes nachzufolgen und inneren Frieden zu finden. Der äußere allerdings ist sehr brüchig, auch fordert schon das Genre ausgiebige Schlachtszenen, und so erfährt man manches über historische Kriegstechnik.

Es ist der zweite Berlin-Besuch von Ridley Scott binnen kurzer Zeit. Im Februar stellte er einen von ihm und seiner Tochter Jordan in Berlin gedrehten Werbefilm für ein Prada-Parfum vor. Gefeiert wurde im trockengelegten Stadtbad Oderberger Straße. Mit den Blutströmen in seinem neuen Film könnte man es locker füllen.

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