Schwierige Debatten in Berlin : Politiker diskutieren mit Schülern

90 Minuten lang haben die Politiker Zeit mit den Schüler über ihre Positionen reden. Überzeugen können sie dabei nur teilweise. In den nächsten zwei Wochen gibt es elf weitere Veranstaltungen.

Tania Röttger
Schulunterricht.
Schulunterricht.Foto: imago/Gerhard Leber

TTIP und Brexit, Vorratsdatenspeicherung und BER – das sind einige der Themen, die die Jugendlichen interessieren. Vor ihnen in der Aula des OSZ für Informations- und Medizintechnik (IMT) in Neukölln sitzen an diesem Mittwochmorgen fünf Vertreter der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien. 90 Minuten lang haben sie Zeit, die Schüler von ihren Positionen zu überzeugen – in einigen Fällen mit Erfolg, in anderen wohl eher mit dem gegenteiligen Effekt.

Dass diese Auftaktveranstaltung einer Reihe von insgesamt zwölf Veranstaltungen an den Schulen hier stattfindet, hat auch mit der Sorge einer Lehrerin zu tun: „Im Unterricht merke ich, dass es hier schon rechtspopulistische Tendenzen gibt“, sagt Kristiane Böhm, Sozialkundelehrerin am OSZ. Daher hat sie ihre Schule für die Aktion angemeldet.

Zwei Themen hat die Schule vorgeschlagen, die offenbar als besonders drängend empfunden werden – Drogenpolitik und Berliner Flüchtlingspolitik, sprich: Lageso. Als der Moderator die mehr als 200 Schüler um weitere Themen bittet, kommen dann noch viele andere Vorschläge. Los geht’s mit der Drogenpolitik, zu der Clara West (SPD), Robbin Juhnke (CDU), Benedikt Lux (Grüne), Wolfgang Albers (Linke) und Simon Kowalewski (Piraten) Stellung nehmen sollen.

Von Berufsschule bis Berufsgymnasium

Die Schüler einer Klasse haben die Themen vorher diskutiert, Fragen überlegt, und zwei Fragesteller ausgesucht. Einer ist Oguzhan, 20. Einmal fragt er Juhnke, der als einziger Abgeordneter gegen eine weitere Drogenlegalisierung ist: „Hier im Kiez verkaufen 12-jährige Cannabis. Ist das Drogenverbot nicht gescheitert?“

Auch ein paar Nichtwähler sind gekommen. Hussan, 22, Hassan, 21, und Kübra, 18, zum Beispiel. Kübra sagt, sie habe nur die türkische Staatsbürgerschaft und Hassan sei nur geduldet. Sie kamen, weil sie das Thema Flüchtlingspolitik interessierte, das sei in der Diskussion aber zu kurz gekommen. Hussan könnte wählen, will aber nicht. Warum? „Es ist egal, was die sagen“, sagt er und geht weg. Im Gegensatz dazu will Janine in ihrem Bezirk wählen gehen. „Ich hatte vorher mit Politik nichts am Hut“, sagt die 16-Jährige. Jetzt wisse sie aber eher, wen sie wählen möchte, wenn sie es im September zum ersten Mal darf.

In der Schule, die die Schulmarketingagentur im Auftrag des Abgeordnetenhauses für den Auftakt der Reihe ausgesucht hat, sind verschiedene Schultypen vereint, von Berufsschule bis Berufsgymnasium. In den nächsten zwei Wochen gibt es elf weitere Veranstaltungen in sieben Bezirken. Insgesamt gab es mehr als 40 interessierte Schulen.

Sozialkundelehrerin Böhm freut sich, dass ihre Schüler so die Chance haben, abstrakte Themen ganz konkret zu diskutieren. An der Schule gebe es viele Erstwähler: „Wenn Sie über Politik nur vom Papier lernen, vergessen sie das schnell wieder“, sagt sie. „So haben sie mal ein Gesicht dazu.“



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