Berlin : Schwierige Suche nach einem neuen DGB-Vorsitzenden

SIGRID KNEIST

Christiane Bretz wird nicht wieder kandidieren / Findungskommission tagt erstmalsVON SIGRID KNEIST BERLIN.Der DGB Berlin-Brandenburg sucht einen neuen Vorsitzenden.Die bisherige Chefin Christiane Bretz wird künftig nicht mehr zur Verfügung stehen.Gewählt wird auf der Landesbezirkskonferenz am 20.Februar nächsten Jahres.Am Dienstag tritt zum ersten Mal eine Findungskommission aus Vertretern der einzelnen Gewerkschaften zusammen. Diese will allerdings erst einmal nur die Formalien für eine Kandidatenkür klären.Bretz hatte ihr Amt im Dezember 1990 angetreten, nachdem ihr Vorgänger Michael Pagels in den Vorstand der Bewag gewechselt war.1994 war sie - trotz eines fehlenden Gegenkandidaten - nur knapp in ihrem Amt bestätigt worden.Nachdem Bretz wie auch Pagels aus der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) stammten, wird sich die Suche dem Vernehmen nach auf einen Kandidaten aus einer Industriegewerkschaft konzentrieren.Aber auch andere Kriterien müssen beachtet werden: Vorsitz und Stellvertretung müssen Berlin und Brandenburg repräsentieren, außerdem müssen Mann und Frau zum Zuge kommen. Sowohl der Vorsitzende der IG Bauen, Agrar, Umwelt, Klaus Pankau, als auch ÖTV-Chef Kurt Lange sind der Meinung, daß vor allem wirtschaftspolitische Kompetenz gefragt ist."Der DGB muß in diesem Bereich wieder mehr Gewicht als in den vergangenen Jahren haben", sagte Lange.Auch Pankau möchte eine Industriegewerkschaft beim Vorsitz berücksichtigt sehen.Zu Kandidaten wollen sich beide derzeit nicht äußern. Im Gespräch sind in Gewerkschaftskreisen unter anderem der stellvertretende DGB-Chef Bernd Rissmann und der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hermann Borghorst.Probleme könnte Rissmann aber eine Affäre aus den Jahren 1994/95 bereiten.Damals Vorsitzender des Vereins einer gewerkschaftlichen Jugendbildungsstätte in Flecken Zechlin hatte er eine Baufirma auf seinem Privatgrundstück beschäftigt, die bei der Jugendbildungsstätte tätig war.Das führte zu einer Untersuchung durch ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen, welches zu dem Ergebnis kam: "Der Vorwurf der persönlichen Vorteilnahme ...kann durch unsere Untersuchung nicht belegt werden." Borghorst, dem nicht nur Gewerkschaftskollegen wirtschaftspolitischen Sachverstand nachsagen, hat seine gewerkschaftliche Heimat in der IG Chemie.Für einige Gewerkschafter ist es aber zweifelhaft, ob Borghorst aufgrund seiner parteipolitischen Ambitionen wirklich kandidieren wird.Gerne wird dabei auf den langjährigen DGB-Vorsitzenden Walter Sickert verwiesen, der gleichzeitig auch Parlamentspräsident war.Dies sei keine wiederholenswerte Konstellation gewesen.Sowohl von Rissmann als auch von Borghorst war gestern keine Stellungnahme zu erhalten.

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