• Schwimmbäder: Besucheransturm trotz hoher Preise Heiße Geschäfte mit Bier und Wasser

Berlin : Schwimmbäder: Besucheransturm trotz hoher Preise Heiße Geschäfte mit Bier und Wasser

Matthias Oloew

SO MACHT DER SOMMER LAUNE

Was für ein Start in die Freibadsaison: Der Sommer hat kalendarisch noch nicht angefangen, aber schon jetzt gibt es die ersten Besucherrekorde. Der stärkste Tag war bislang der Pfingstsonntag. „9000 Gästen am Wannsee, 7200 am Columbiadamm, 6600 am Insulaner und jeweils 6300 im Prinzenbad und an der Forckenbeckstraße in Wilmersdorf…“ – in der Stimme von Bäder-Chef Klaus Lipinsky schwingt so etwas wie Freude mit. Lange Schlangen bilden sich vor den Kassenhäuschen an schönen Tagen. Manchmal stehen die Kunden geduldig eine halbe Stunde an. Einen vergleichbar starken Start hat es seit Jahren nicht gegeben. Dennoch bleibt er zurückhaltend: „Zum Jubeln ist es noch zu früh, denn abgerechnet wird am Schluss.“ Und wer weiß schon, wie das Wetter im Juli und August wird? In diesen Monaten kommen normalerweise die meisten Gäste.

Im Mai kamen in der Summe mit 630000 Gästen zwar 28000 weniger als im Jahr zuvor, aber dennoch haben die Bäder-Betriebe 29 Prozent mehr Umsatz gemacht. Der Grund dafür sind die höheren Preise, die seit gut einem Jahr gelten. Doch auch die Mehreinnahmen lassen den Bäder-Chef nicht uneingeschränkt frohlocken. Denn etwa die Hälfte davon geht auch wieder drauf, weil die Kosten in den Bädern steigen, je mehr Gäste kommen. Lipinsky: „Es wird mehr Wasser verbraucht, es muss öfter sauber gemacht werden, das geht ins Geld.“

Die Kalkulation der Bäder-Betriebe bei der Einführung der höheren Preise – ein Drittel weniger Gäste, dafür der gleiche Umsatz – ist also nicht ganz aufgegangen. Wie sich das am Jahresende auswirkt, kann Lipinsky derzeit noch nicht sagen. Aber dennoch ist klar: Die höheren Preise schrecken die Berliner derzeit jedenfalls nicht davon ab, in Scharen in die Bäder zu gehen – jedenfalls dann nicht, wenn die Sonne, wie jetzt, seit Wochen strahlt.

Vier der Berliner Bäder sind besonders beliebt. Das Kreuzberger Prinzenbad steht ganz oben, gefolgt von den Sommerbädern Pankow und Wilmersdorf. Auf Platz vier: das Strandbad Wannsee. An den Wochenenden ist der Wannsee hingegen nicht zu schlagen. Hier gibt es auch, anders als in allen anderen Bädern, eine Saisonkarte. Teurer als die ersatzlos gestrichene Sechs-Monats-Karte, aber immerhin. „Zu Saisonbeginn haben wir auf einen Schlag mehr als 200 davon verkauft“, sagt Lipinsky, ist überrascht über den Erfolg und will vermutlich die Karte im kommenden Jahr wieder anbieten. Eventuell wird es dann auch Saisonkarten für andere Bäder geben, die dann aber nur dort gelten, wo sie gekauft wurden. Lipinsky: „Wir werden am Saisonende prüfen, ob das möglich ist.“

Mehr Geld in den Kassen der Bäder-Betriebe – ist dann auch wieder Geld für Investitionen da? Lipinsky sagt nüchtern: „Auf keinen Fall.“ Der landeseigene Betrieb müsse jedes Jahr mit weniger Geld aus der Landeskasse auskommen. Daher könne das zusätzliche Geld bestenfalls für die Deckung der betriebseigenen Defizite verwendet werden. Darüber hinaus stecken die Bäder das Geld in dringende Reparaturen. Von Nettigkeiten für die Besucher, wie längere Öffnungszeiten, ist keine Rede.

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