Berlin : Schwimmer müssen in die Halle

Trotz Hitze und Besucherrekord beenden Bäderbetriebe die Freiluft-Saison. FDP fordert mehr Flexibilität

Matthias Oloew

Den ganzen Sommer über kamen nicht derart viele Badegäste wie in den letzten Tagen. Das Prinzenbad in Kreuzberg meldet ständig Rekorde – bis zu 3500 Besucher täglich. Am Wannsee sieht es ähnlich aus. „Die beiden Bäder sind mit Abstand am besten besucht“, sagt Klaus Lipinsky, Vorstandsvorsitzender der Berliner Bäderbetriebe (BBB). In den Schwimmhallen, die seit zwei Wochen geöffnet haben, ist hingegen viel weniger los. Trotzdem weiß Lipinsky nicht, ob er die Saison im Prinzenbad weiter verlängern kann. Es fehle das Personal.

Die Gäste haben für diese Haltung kein Verständnis. Und die sportpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Mieke Senftleben, sagt: „Die Bäder müssen flexibler werden.“ Die Verantwortung für die Misere tragen ihrer Ansicht nach aber nicht die Bäderbetriebe, sondern der Senat. „Seit mehr als einem Jahr liegt die Reform des Unternehmens auf Eis.“

Kern des Problems ist, dass die Bäderbetriebe mit ihren mehr als 800 Mitarbeitern nicht flexibel genug auf die Wetterlage reagieren können. Deshalb wurden am 29. August die meisten Frei- und Sommerbäder geschlossen und stattdessen die Hallen wieder geöffnet – zu Beginn der Schönwetterphase. Hallen- und Freibäder parallel zu betreiben, sei nicht drin, sagt Bäder-Chef Lipinsky. Man habe nicht genügend Geld, um Saisonkräfte einzustellen. Und die Hallen erst zu öffnen, wenn das Wetter schlecht ist, sei auch nicht möglich, weil Schulen und Vereine lieber in Hallen schwimmen und Schwimmkurse in den Hallen fest eingeplant sind. Lipinsky: „Wir müssen uns entscheiden und öffnen im Zweifel lieber die Hallen.“ Die FDP-Politikerin Senftleben will das nicht akzeptieren: „Es ist mir ein Rätsel, warum Schwimmunterricht nicht draußen stattfinden kann.“

Für die Badegäste bedeutet das: Das Kreuzberger Prinzenbad bleibt als einziges Sommerbad der Stadt bis kommenden Donnerstag täglich von 7 bis 19 Uhr geöffnet. Am Freitag hat das Bad auf jeden Fall geschlossen, weil dort Dreharbeiten stattfinden und aus diesem Grund das Badewasser geheizt wird. Ob das Bad danach noch einmal für zahlende Badegäste geöffnet wird, entscheidet der Bäder-Vorstand in den nächsten Tagen. Geöffnet sind aber auch die Strandbäder Wannsee, Tegeler See, Plötzensee, Lübars, Jungfernheide, Wendenschloss, Grünau, Orankesee und Weißer See. Bis auf Wannsee wurden alle von den BBB an private Betreiber verpachtet.

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