Schwimmhallen in Berlin : Forscher: Berlin braucht mehr Spaßbäder

Modernes Design, gute Gastronomie und große Abwechslung für alle: Städtische Bäder müssen mehr Umsatz machen. Marktforscher raten deshalb zum Neubau von Hallen in Berlin, in denen es das ganze Jahr über Angebote für Jeden gibt.

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Wohlbefinden, so haben die Marktforscher herausgefunden, ist auch für Berliner Bäderbesucher ein gesuchtes Kriterium.
Wohlbefinden, so haben die Marktforscher herausgefunden, ist auch für Berliner Bäderbesucher ein gesuchtes Kriterium.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Zukunft liegt im „365-Tage-Kombibad“ – resümiert eine von den Berliner Bäderbetrieben (BBB) beauftragte Marktforschung des Heidelberger Sinus-Instituts. Anlass für diese Analyse waren zwei alarmierende Besonderheiten: In Berlins öffentlichen Planschbecken geht die Gästezahl seit Jahren (wenn auch nicht im aktuellen Vorjahrsvergleich) zurück, während andere Städte durch attraktive Neu-Bäder Gäste-Zuwachs erfahren; in Berlin liegt der Kostendeckungsgrad via Badkasse bei 20 Prozent, während andere Städte das dreifache erreichen. „Wohin geht die Reise?“ fragte auf diesem Hintergrund BBB-Marketing-Berater Rainer Wilkens bei der Präsentation der Umfrage in der Landesbibliothek. Dabei musste die Forschungsleiterin Renate Arndt vor Politikern und Vereinsvertretern einräumen, dass ihre Folgerungen auf einer repräsentativen 25-Minuten-Befragung von 1250 Personen bundesweit basieren, von denen nur 17,7 Prozent Berliner waren - ein Anteil, den man zuletzt signifikant erhöht habe.

Jedoch seien zwischen schwimm-affinen Berlinern und der Restrepublik „keine großen Abweichungen“ auszumachen, sagte Arndt. Sie habe herausfinden sollen, wie diverse Zielgruppen durch Angebote von „Wohlgefühl“, „Raumgefühl“ und „Stilgemeinschaften“ ins Bad der Zukunft geleitet, ja zu dessen Nutzung verführt werden könnten. Die Studie teile Deutschland in zehn Gruppen ein: Konservativ-Etablierte, Traditionelle (Kleinbürger), Liberal-Intellektuelle, Sozialökologische, Bürgerliche Mitte, Performer (Leistungsorientierte), Expeditive (digitale Avantgarde), Adaptiv-Pragmatische (Junge Mitte), Hedonisten (Lebenskünstler) und Prekäre. Migranten hätten zu den Befragten gehört, aber nicht als Extra-Milieu.

Wenige Badegäste fänden sich unter Traditionellen und Prekären. Allen habe man fünf Bad-Konzepte vorgelegt: das Freibad (mit Rutsche, Biergarten); das Fitness- und Freizeithallenbad (mit Solarium); das 365-Tage-Bad für innen und außen, mit spezieller Gastronomie, Sauna, coolem Design, Abwechslungs- und Entspannungs-Offerte; das Spaß-Erlebnis-Bad; das Wellnessbad zum Abschalten, mit Cocktailbar etc. Die drei letzten wurden bevorzugt, an der Spitze stand das 365-Tage-Kombibad. „Das abwechslungsreiche Angebot ist der Schlüssel zum Erfolg in Berlin“.


Vereinsleute, gab die Sinus-Frau zu, habe man nicht befragt. BBB-Sprecher Matthias Oloew flankierte: Berlin sei die einzige Stadt, in der Schulen und Vereine – die ein Drittel aller Gäste ausmachen und die Hälfte der Öffnungszeiten belegen – nicht selbst zahlen, sie werden durch 45 Millionen Euro von Senatsseite abgegolten. Doch Vereine könnten durchaus in Kombi-Häusern berücksichtigt werden: Dort solle es ja verschiedenste Becken geben! „Das Gros“ der Bäder von heute bleibe erhalten. Bei der Sinus-Studie gehe es nur um die Strategie für kommende Neubauten, um die künftige BBB-Finanzierung durch gesteigerten Umsatz; zu realisieren frühestens 2016. Nächste Woche berät der BBB-Vorstand, wohin die Bade-Reise geht.

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