Schwimmunterricht an Berliner Schulen : Burkini bei Musliminnen unbeliebt

In Berlin versuchen so manche muslimische Eltern, sich um den Schwimmunterricht ihrer Töchter herumzumogeln. Dabei dürften die Mädchen Burkini tragen. Doch die Ganzkörperanzüge sind unbeliebt.

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Im Burkini kühlt sich die Berlinerin Abir in einem Freibad in Berlin.
Im Burkini kühlt sich die Berlinerin Abir in einem Freibad in Berlin.Foto: dpa

Auch in Berlin suchen manche muslimische Eltern Möglichkeiten, wie ihre Töchter dem Schwimmunterricht fernbleiben können. Allerdings sind derzeit keine Fälle bekannt, die bis vors Verwaltungsgericht gingen. Wie berichtet, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Mittwoch entschieden, dass muslimische Schülerinnen keinen Anspruch darauf haben, vom Schwimmunterricht mit Jungen befreit zu werden. Es sei ihnen zuzumuten, einen Burkini zu tragen. So nennt man einen den gesamten Körper bedeckenden Schwimmanzug mit Kapuze.

Geklagt hatte eine Schülerin aus Hessen, die als Elfjährige nicht am gemeinsamen Schwimmunterricht teilnehmen wollte. An Berliner Schulen wird dieser Unterricht früher, nämlich in der dritten Klasse, erteilt. Brigitte Unger, Schulleiterin der Karlsgartengrundschule in Neukölln, hat immer wieder mit Eltern zu tun, die sich um den Schwimmunterricht ihrer Töchter herummogeln möchten. Durchschnittlich zwei solcher Fälle gebe es pro Jahr.

Auffällig sei etwa, wenn Mädchen stets an dem Tag, an dem es zum Schwimmen geht, krank sind. „Oder sie kommen zu spät, so dass der Bus zum Bad schon abgefahren ist“, sagt Unger. Dann führe sie Gespräche mit den Eltern und mache ihnen klar, dass sie eine Schulversäumnisanzeige riskieren. Außerdem versuche sie, den Eltern zu vermitteln, dass die Fähigkeit schwimmen zu können durchaus lebensrettend sein kann. Komplettverweigerer gebe es nicht.

Nichts ausrichten kann die Schulleiterin allerdings, wenn die Eltern ein Attest über eine Chlorallergie vorzeigen. Aber die allermeisten ihrer Schüler, von denen mehr als 80 Prozent einen Migrationshintergrund haben, nehmen ohne Probleme am Schwimmunterricht teil. Burkinis tragen nach Ungers Erfahrungen nur wenige: „Die Anzüge sind teuer, und die Mädchen wachsen zu schnell raus.“

An der Kreuzberger Jens-Nydahl-Schule hingegen hat die Schulleiterin bisher keine Probleme gehabt. Den Schulaufsichten in Mitte und Neukölln sind auch keine strittigen Fälle bekannt. Nicht nur Schülerinnen dürfen in Berliner Bädern im Burkini schwimmen. In den Schwimmbädern der Bäderbetriebe sind die Ganzkörperbadeanzüge seit einiger Zeit uneingeschränkt erlaubt. Aber sie werden noch relativ selten getragen. Wie Bäder-Sprecher Matthias Oloew sagt, gibt es immer wieder Kritik von liberalen Musliminnen, die sich an den Burkinis stören und dies den Bademeistern mitteilen. Sie fänden es nicht gut, dass diese Badekleidung in Berlin erlaubt sei. „Da gibt es manchmal sehr leidenschaftliche Reaktionen“, sagt Oloew.

Zudem gibt es in drei Schwimmhallen – dem Bad am Spreewaldplatz in Kreuzberg, der alten Halle in der Krummen Straße in Charlottenburg sowie dem Stadtbad Neukölln – spezielle Schwimmzeiten für Frauen. Zu diesen Terminen werden in der Regel auch nur Frauen als Schwimmmeisterinnen eingesetzt.

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