Berlin : Schwimmvereine können ihre Hallen pachten

Susanne Vieth-Entus

Neue Hoffnung für Berlins Vereinsbäder: Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) wollen den Vereinen die von Schließung bedrohten Schwimmhallen zur Verpachtung anbieten. In den nächsten Tagen sollen sie bereits Vertragsangebote erhalten. Darüberhinaus sollen alle zwölf Freibäder kommende Woche im Amtsblatt ausgeschrieben werden. Auch hier könnten sich Vereine als Betreiber bewerben.

"Die Bäderbetriebe sagten zu, insbesondere die Kita-, Schul- und Vereinsbäder doch noch zu retten", frohlockte gestern der Landessportbund nach einem Treffen mit BBB-Chef Klaus Lipinsky. Es gebe gute Chancen, dass die Liste der zwölf zu schließenden Bäder noch erheblich überarbeitet werde - zugunsten der Vereinsbäder, von denen jetzt noch sieben auf der Liste stehen, so LSB-Präsident Peter Hanisch. Strittig bleibe allerdings noch, wie die Vereine den Betrieb finanzieren können. Das hänge von den Pachtverträgen ab, die jetzt erarbeitet werden.

Die Bäderbetriebe wiesen gestern darauf hin, dass die Berliner Vereine bisher noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpften hä tten, ihre Einnahmen zu verbessern. So habe etwa der Landesschwimmverband Baden-Württemberg eine eigene GmbH gegründet, die im großen Stil Schwimmunterricht anbiete. In Berlin ist dieses gewinnträchtige Geschäft noch in der Hand von kleinen privaten Schwimmschulen. Hier können die Eltern schon mal 250 Euro dafür hinblättern, dass ihr Kindchen es bis zum "Seepferdchen" schafft. Die GmbH bietet außerdem Kurse für Aqua-Fitness-Trainer oder organisiert kostenpflichtig Trainingslager für Vereine, sozusagen als Dienstleister.

In Berlin ist das zwar noch Zukunftsmusik. Aber es ist auch ohne GmbH-Gründung möglich, ein Bad zu "verwerten". Wenn ein Verein ein Bad pachtet, könnte ein pensionierter Vereinsschwimmer vormittags Kita-Kindern kostenpflichtig das Schwimmen beibringen. Bis so etwas funktioniert, müssten einige der über 65 Schwimmvereine Berlins allerdings fusionieren. "Die kleinen Vereine müssen enger zusammenrücken", prognostiziert Peter Hanisch. Dann könnten sie es auch eher schaffen, ein Bad in Eigenregie zu betreiben. Dass das klappen könne, habe ja schon der Neuköllner Schwimmclub bewiesen, der ein eigenes Freibad in der Johannisthaler Chaussee besitze.

Das "Zusammenrücken" hat offenbar schon begonnen. Laut Hanisch sind vier Weddinger Verein daran interessiert, das Freibad Plötzensee zu übernehmen. Plö tzensee gehört zu den Freibäder die kommende Woche ausgeschrieben werden sollen. Im Unterschied zu den so genannten Sommerbädern liegen Freibäder an Naturgewässern.

Bei aller Euphorie mussten BBB und LSB gestern allerdings zugeben, dass es noch ungeklärte Fragen gibt. So ist nicht klar, woher das Geld für Sanierungen kommen soll, wenn die Vereine Schwimmhallen pachten. Und außerdem bleibt die Frage der Betriebskostenzuschüsse. Die Vereine sagen, dass sie ohne öffentliche Gelder nicht auskommen können. Dies aber verlangt der Senat, wenn er auf die Schließung der Bäder vezichtet.

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