Berlin : Schwitzen für die Weltmeister

7000 Freiwillige werden bei der Eröffnung der Fußball-WM auftreten. Claudia Camilo und ihre Gruppe üben schon mal

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Es soll ein Rad aus zwei Menschen werden, ganz lässig, Breakdance eben. Caro wirft sich rücklings auf den Boden, ihre Freundin lehnt sich über sie, fasst mit den Händen an deren Füße, die beiden wollen loskugeln – und da macht es rumms!, beide liegen nebeneinander auf dem Boden. In einem Jahr will die Brasilianerin Claudia Camilo das ihren Schülern vom Hochschulsport beigebracht haben. Sie haben sich als freiwillige Tänzer für die Eröffnungsgala der FußballWeltmeisterschaft angemeldet.

Für die 7000-Mann-Choreografie von Doug Jack, der beispielsweise die Eröffnungen der Olympiaden in Athen und Sydney koordinierte, sucht der Gala-Organisator Artistic Production Services (APS) noch Darsteller. Wie die Hochschulsportgruppe kann sich jeder über das Internet als Darsteller bewerben. Ab Ende September lädt dann APS gemeinsam mit Doug Jack die Interessierten zum Vortanzen ein. „Bei uns muss sich aber niemand zum Clown machen. Das wird kein Casting wie bei den Superstars“, sagt Bernd Neff vom APS. „Wer tanzen will, wird auch einen Platz im Programm finden.“ Bei der Vorauswahl werden die Freiwilligen jedoch nach Fähigkeiten eingeordnet. „Es gibt ja unterschiedlich anspruchsvolle Teile der Show“, sagt Neff. Man sollte aber so fit sein, eine dreistündige Probe locker zu absolvieren.

Claudia Camilos Schüler haben sich fast alle erstmals vor einem halben Jahr im Hip-Hop- oder Aerobic-Kurs versucht. Egal. „Jeder kann tanzen, man muss nur sein eigenes Gefühl dafür entdecken“, sagt die Brasilianerin. Die Musik wummert, Claudia Camilo sitzt auf dem Boden einer Turnhalle in Dahlem und betrachtet ihre Schüler. Sie ist klein und zierlich, aber man sieht jeden Rückenmuskel, wenn sie nur den Arm hebt.

Zwei Jungen und acht Mädchen legen los, kreuzen ihre Beine, lassen den Kopf wie durch einen Marionettenspieler bewegt kreisen, knien nieder und springen schon wieder um die eigene Achse, das Stück ist schnell, und die zehn sind es auch. „Yeah! DJ, mach mal lauter!“, ruft Claudia Camilo dem Mädel am Laptop zu. Sie kann motivieren, wie sonst kann es sein, dass die Choreografie der Studenten schon nach einem halben Jahr Training – naja, abgesehen Figur eingangs – ziemlich gekonnt aussieht?

Claudia Camilo hat einen Wochenplan, der entweder an Superwoman erinnert oder Angst macht. Sie treibt 28 Stunden die Woche Sport, betreut acht 40-köpfige Gruppen des Hochschulsports und arbeitet mindestens zehn Stunden wöchentlich in einem Fitnessclub. Dazu kommt ihr eigenes Training, moderner Tanz und Fußball, dafür ist sie im Verein „Polar Pinguin“. Zudem studiert sie Theaterwissenschaften, und obendrein schreibt Camilo an ihrer Doktorarbeit für das gerade beendet Sportstudium. Arbeitstitel: „Die Inszenierung von Fußball in Brasilien und Deutschland.“ Passt ja zur WM-Gala.

Für ihr WM-Engagement hat Claudia Camilo einen guten Grund: „Ich liebe Fußball. Wenn ich schon nicht als Spielerin an einer WM teilnehmen kann, dann tanz’ ich da eben.“

Weiterhin werden Gala-Darsteller gesucht. Informationen unter Telefon 23607950 und im Internet unter der Adresse www.fifaworldcup.com

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