SchwoB 2010 : Gut beschäftigt statt ausgegrenzt

Mindestens 100 Arbeitsplätze und 50 Ausbildungsplätze innerhalb von zwei Jahren will der Senat mit der "Schwerbehinderten-Joboffensive", kurz "SchwoB 2010", schaffen.

Anne Meyer

Während zwei kleine Maschinen runde Nudeln aus Kartoffelteig ausspucken, fertigen im Nebenraum zwei Männer in weißen Kitteln die Ravioli. Steinpilz- und Kürbisfüllung sind zu Beginn der Herbstsaison besonders gefragt, die Mitarbeiter der Spandauer Pastamanufaktur „Mondo Pasta“ haben viel zu tun. Von den 14 Menschen, die hier arbeiten, sind fünf schwerbehindert. Ausgegrenzt oder abgestellt wegen seiner Behinderung wird hier keiner – das würde bei einem so kleinen Unternehmen auch gar nicht gehen. Weil das Miteinander im Arbeitsalltag so gut funktioniert, erhielt das Unternehmen im vergangenen Jahr den Berliner Integrationspreis.

An diesem vorbildlichen Ort stellten Sozialsenatorin Heide Knake-Werner (Linke) und der Präsident des Landesamts für Gesundheit und Soziales, Franz Allert, gestern ein neues Arbeitsmarktprogramm für Schwerbehinderte vor. „Längst nicht alle Unternehmen sind bereit dazu, behinderte Menschen einzustellen“, sagte die Senatorin. Zwar gibt es nach dem Schwerbehindertenrecht bereits finanzielle Anreize für Betriebe, die Menschen mit Handicap beschäftigen. Trotzdem sind in Berlin zurzeit 10 600 Menschen mit schwerer Behinderung arbeitslos gemeldet, daneben sind viele in besonderen Werkstätten tätig. Damit sich diese Situation verbessert und mehr Schwerbehinderte einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt finden, stellt der Senat 8,7 Millionen Euro bereit.

Mindestens 100 Arbeitsplätze und 50 Ausbildungsplätze innerhalb von zwei Jahren will der Senat mit der „Schwerbehinderten-Joboffensive“, kurz „SchwoB 2010“, schaffen. So sollen Beschäftigte in Behindertenwerkstätten die Möglichkeit bekommen, in einen guten Job zu wechseln. Außerdem soll der Übergang von der Schule in die Ausbildung für schwerbehinderte Jugendliche erleichtert werden. Unternehmer erhalten zusätzliche finanzielle Anreize und eine bessere Beratung. 21 Stellen werden dafür geschaffen, zwei neue Integrationsfachdienste sollen die Übergänge von der Werkstatt in die reguläre Arbeit und von der Schule in die Ausbildung begleiten.

Finanziert wird „SchwoB“ über die Ausgleichsabgabe, die Firmen zahlen, wenn sie die im Sozialgesetzbuch vorgeschriebene Quote von Schwerbehinderten nicht einstellen. Die Fördermöglichkeiten hatten auch Geschäftsführer Manfred Gerstberger erst auf die Idee gebracht mitzumachen. Heute sind drei schwerbehinderte Mitarbeiter in der Produktion angestellt, einer im Innendienst am Telefon und einer als Lieferfahrer. Die behindertengerechte Ausstattung finanziert das Integrationsamt: Bei Mondo Pasta lassen sich die Laufbänder und Maschinen ergonomisch auf den jeweiligen Arbeitnehmer einstellen.

„Natürlich gibt es auch immer wieder Probleme“, sagt Manfred Gerstberger. Er hat Anrufe von Kunden bekommen, die sich über das laute Auftreten des schwerhörigen Lieferfahrers beschwerten. „Da müssen wir Aufklärungsarbeit leisten, aber letztlich zeigen die Kunden Verständnis.“ Anne Meyer

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