Schwulen- und Lesbenparade : Christopher Street Day: Schutzengel gesucht

Sonnabend wird der Christopher Street Day gefeiert, rund eine halbe Million Besucher werden erwartet. In den vergangenen Tagen gab es erneut Überfälle auf Schwule.

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Engel sind anders, und das ist ganz normal. Daher passen die geflügelten Beschützer gut zum Motto „Normal ist anders“ des 32. Berliner Christopher Street Day, kurz CSD. Am Sonnabend startet die Parade um 13 Uhr vom Kranzler Eck. Sie endet nach ihrem Zug über Nollendorf- und Lützowplatz und die Straße des 17. Juni erstmals nicht an der Siegessäule, sondern am Brandenburger Tor.

„Mit dem diesjährigen Motto wollen wir die gesellschaftlichen Konzepte von Normalität und Normativität in Frage stellen“, sagt Jan Salloch vom Vorstand des CSD. Denn immer noch würden Schwule und Lesben, Inter- und Transsexuelle als „nicht normal“ diskriminiert und seien gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt. Erst am Wochenende war ein schwules Paar in Treptow von drei Männern beleidigt, geschlagen und einer der beiden mit einem Messer verletzt worden. Auch am Rand des Lesbisch-Schwulen Stadtfestes in Schöneberg sind in der Nacht zu Sonntag zwei Mal Schwule von jungen Männern attackiert worden, wie das Anti-Gewalt-Projekt Maneo gestern mitteilte.

Neben dem gegenseitigen Respekt zwischen Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung fordern die CSD-Veranstalter mehr Selbstbestimmung für trans- und intersexuelle Menschen, ein Berliner Aktionsprogramm für sexuelle Gesundheit, die moralische und materielle Rehabilitierung verfolgter Homosexueller in Deutschland und die rechtliche Gleichstellung von Familien mit Mitgliedern unterschiedlicher sexueller Orientierungen. Dass der Berliner Senat am Dienstag beschlossen hat, einen Antrag auf Öffnung der Ehe für Homosexuelle in den Bundesrat einzubringen, freut Salloch sehr. „Das ist das richtige Zeichen zur richtigen Zeit“, so der 44-Jährige.

Trotz des ernsten Hintergrundes der Veranstaltung, zu der sich unter anderem Klaus Wowereit (SPD) und Renate Künast (Grüne) angekündigt haben, wird kräftig gefeiert. Der Tanz beginnt am Freitag auf der Eröffnungsparty im Tresor und geht weiter auf und am Rande der Parade mit 53 Wagen und 62 angemeldeten Gruppen. Um 17 Uhr steigt das Finale am Brandenburger Tor, wo gegen 18.30 Uhr die Philosophin Judith Butler und der Sexualwissenschaftler Martin Dannecker mit dem Zivilcouragepreis ausgezeichnet werden. Danach gibt es bis Mitternacht Musik von rund 15 DJs und Gruppen. Danach wird im Dice-Club in Mitte weiter getanzt.

Rund eine halbe Million Besucher erwartet der Veranstalter am Sonnabend. „Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele in Engelskostümen erscheinen“, sagt CSD-Geschäftsführer Robert Kastl. Seine Vision: das Brandenburger Tor in einem Meer aus Engelsflügeln. Eva Kalwa

Weitere Informationen im Internet: www.csd-berlin.de

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