Berlin : Schwungrad für die City-West

Standortgutachten: Zoo und Umgebung würden von Riesenrad stark profitieren

Stefan Jacobs

Das Riesenrad am Bahnhof Zoo würde neuen Schwung in die West-City bringen. Seit gestern liegt das mit Spannung erwartete Standortgutachten zu den Auswirkungen des Projektes vor – mit durchweg positiven Prognosen. Die von der Finanzverwaltung in Auftrag gegebene Expertise beruht auf Befragungen von Berlinern, Zoobesuchern und potenziellen Berlin-Touristen. Sie ist nicht öffentlich, aber die Verwaltung gab einige Ergebnisse bekannt.

So ergab die Befragung, dass 69 Prozent der potenziellen Berlin-Besucher aus dem Bundesgebiet mindestens einmal eine Runde mit dem 175-Meter-Rad drehen wollen. Das Interesse der Berliner und Umland-Bewohner liegt bei 31 Prozent. Die Forscher halten im Ergebnis rund zwei Millionen Riesenrad-Besucher pro Jahr für realistisch.

Auch die Zoobesucher können sich mit dem Projekt anfreunden: 43 Prozent erklärten, das Riesenrad würde den Zoo für sie interessanter machen, während sich weniger als 15 Prozent von dem riesigen Nachbarn auf der anderen Seite der Stadtbahntrasse gestört fühlen würden. Selbst vorsichtig geschätzt, rechneten die Gutachter mit 300 000 zusätzlichen Zoo-Besuchern pro Jahr. Das wäre ein Plus von mehr als zehn Prozent. Ein preisgünstiges Kombi-Ticket für Zoo und Riesenrad würde auf großes Interesse stoßen. Die Planer des „Aussichtsrades Berlin“ haben sich offen für ein solches Angebot gezeigt. Laut ihrem Konzept soll eine 35-minütige Runde mit dem Riesenrad zwölf Euro kosten. Der Zoo verlangt elf Euro – ohne Aquarium. Offenbar hat das Gutachten auch die finanziellen Schmerzgrenzen der Kundschaft ausgelotet, aber dazu war keine Auskunft zu bekommen.

Wie die Studie zeigt, haben auch die Handels- und Tourismuslobby sowie der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wohl zu Recht für das Rad getrommelt: Mehr als 500 000 zusätzliche Besucher pro Jahr stellt das Gutachten der City- West in Aussicht. Sie brächten knapp 60 Millionen Euro zusätzliche Umsätze. Ein Viertel lande in den Kassen des Einzelhandels, von weiteren Ausgaben profitierten Restaurants. Jetzt wartet die Verwaltung darauf, dass der Investor den Vertrag unterschreibt. Der sagt, es werde in wenigen Tagen soweit sein.

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