Berlin : Scientology: Hetzgrüße im Briefkasten

Jasmin Jouhar

Veranlasst hat den Versand die Zentrale der Organisation in München. Weitere 20 000 Exemplare wurden in Berlins Innenstadt an Passanten verteilt. Sabine Weber, Vizepräsidentin von Scientology in Deutschland, begründet die Wahl der beiden Bezirke: Dort sei "der meiste Informationsbedarf". Die Scientologen wollten die Steglitzer und Zehlendorfer über die Arbeit unliebsamer Personen und Institutionen unterrichten.

Und das sieht so aus: "Da kommt die SPD-Politikerin Rennebach her. Die ist sektenpolitische Sprecherin der SPD und eng mit der evangelischen Kirche verbunden", sagt Weber. Ebenfalls ins Visier genommen haben sie nach eigenen Angaben Pfarrer Thomas Gandow, sektenpolitischen Sprecher der evangelischen Kirche, der in Zehlendorf sein Büro hat. Die Zeitschrift wurde an seinem Geburtstag im August verteilt und enthält einen diffamierenden Artikel über ihn und seine Arbeit. "Da stehen falsche Tatsachenbehauptungen drin", sagt Thomas Gandow, der wegen des Texts gegen die Sekte juristisch vorgehen möchte.

In der "Freiheit" steht, Gandow "dirigiert eine ganze Armee von Tarnorganisationen". Er wird als "evangelischer Chef-Inquisitor" und "Chefarchitekt der in Teilen Europas betriebenen Diskriminierungskampagne gegen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften" bezeichnet. Ihm wird vorgeworfen, konsequent und organisiert gegen Minderheiten vorzugehen - im Namen der evangelischen Kirche. Die evangelische Kirche Berlin-Brandenburg hat sich bereits mit einer Erklärung hinter den Pfarrer gestellt. "Das ist eigentlich ein Angriff gegen die evangelische Kirche im Ganzen", sagt Thomas Gandow. "Und dagegen, dass die Kirche mich noch nicht in die Wüste geschickt hat."

Der Pfarrer, der sich seit den siebziger Jahren mit Scientology beschäftigt und diverse Texte zu dem Thema veröffentlicht hat, wundert sich nicht über die Aktion: "Das Engagement der amerikanischen Führung in Deutschland ist verstärkt worden. Ich habe nun auch deren Zorn erregt." Die Führung von Scientology habe eine härtere Linie in der Kritikerbekämpfung angeordnet. Ebenfalls in dieser Ausgabe der Freiheit wird der Hamburger Innensenator Hartmuth Wrocklage angegriffen. Nach Aussage von Sabine Weber hat Scientology auch 80 000 Exemplare in Hamburg verteilt.

Die Post in Berlin reagiert beim Thema Scientology zurückhaltend: "Wir haben eine generelle Annahme- und Zustellpflicht", sagt Post-Sprecherin Barbara Scheil. Das Unternehmen sei nicht befugt, Sendungen zu zensieren. Man dürfe nur einschreiten, wenn eine Sendung von außen sichtbar strafrechtlich relevanten Inhalt enthalte. Im Fall des Versands der "Freiheit" könne nicht einmal festgestellt werden, wo die Massensendung aufgegeben wurde. Barbara Scheil glaubt nicht, dass die Empfänger sich gegen solche Post wehren können. "Der Kunde kann sich nur an den Absender wenden. Da sehe ich aber persönlich geringe Chancen, dass man beim nächsten Mal verschont wird."

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