Scientology : Weiter Streit um die Sekte

Der evangelische Sektenbeauftragte hat das Vordringen der umstrittenen Sekte Scientology in Berlin kritisiert. Zugleich warf er Innensenator Körting vor, über das Thema nicht ausreichend informiert zu sein.

Berlin - Über den Umgang mit der Niederlassung der umstrittenen Organisation Scientology in Berlin gibt es weiter Streit. Der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, Thomas Gandow, kritisiert die bevorstehende Eröffnung der Hauptstadt-Repräsentanz der Organisation. "Scientology ist weder Kirche, noch Sekte, noch Glaubensgemeinschaft, sondern eine totalitäre Wirtschaftsunternehmung", sagte er dem TV-Sender N24. Gandow fügte hinzu: "Rufmord, Verfolgung, körperliche Gewalt gegen Gegner. Ich selber habe das erlebt."

Der Experte warf Innensenator Erhart Körting (SPD) Ignoranz vor, da er sich gegen ein Verbot der Scientology-Organisation und gegen eine Beobachtung durch Polizei und Verfassungsschutz ausgesprochen hat. "Ich würde sagen, dass Herr Körting sehr, sehr schlecht informiert ist. Er hat sich offensichtlich in den letzten 48 Stunden ein bisschen Wissen angeeignet." Dass "Scientology Straftaten begeht", ist nach Gandows Worten "klar". Dagegen müsse etwas unternommen werden.

Körting wies die Kritik Gandows unterdessen scharf zurück. Die Berliner könnten sich sicher sein, dass der Staat sofort einschreitet, wenn Straftaten begangen werden. Das gelte selbstverständlich auch für Straftaten von Scientology oder Mitgliedern der Organisation. Der Senator hält es deshalb für "unverantwortlich", den in Deutschland bislang erfolglosen Versuch von Scientology, nennenswert Mitglieder zu gewinnen, durch "falsche Panikmache", unnötig aufzuwerten. Körting fügte hinzu: "Wenn der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche Informationen über eine Vielzahl von Straftaten hat, bitte ich ihn dringend, diese an Polizei und Staatsanwaltschaft weiterzuleiten."

FDP fordert Hinweise im Unterricht

Unterdessen hat die schulpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Mieke Senftleben, eine Auseinandersetzung mit Scientology in den Klassenzimmern gefordert. Die Organisation scheine "vermehrt Kinder und Jugendliche für die eigene Bewegung ködern zu wollen", vermutet die Politikerin. Das dürfte "der selbsternannten Kirche nicht sonderlich schwer fallen", da sie auf zahlreiche prominente Mitglieder aus der Film- und Showbranche verweisen könne.

Deswegen ist es nach Ansicht von Senftleben umso wichtiger, dass Schüler im Unterricht über das Wesen von Sekten informiert und über die Gefahren einer Mitgliedschaft aufgeklärt werden. Es müsse sichergestellt werden, dass Kinder und Jugendliche auf der Suche nach Glaubensinhalten und einem Halt gebenden Wertegerüst nicht in die Hände von Seelenhändlern geraten.

Eröffnungsfeier: Straße wird nicht gesperrt

Das Berliner Verwaltungsgericht wies nach Angaben eines Sprechers einen Eilantrag ab, mit dem die Organisation eine Sperrung der Otto-Suhr-Allee bei der Eröffnungsfeier durchsetzen wollte. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte dies abgelehnt, weil die Allee eine wichtige Verkehrsstraße sei. Scientology machte geltend, dass ähnliche Eröffnungen von Zentralen in anderen Städten große Menschenmengen angezogen hätten. Die Organisation berief sich dabei auch auf die im Grundgesetz festgelegte Religionsfreiheit und den Gleichbehandlungsgrundsatz. Dem folgten die Richter des 11. Senats jedoch nicht. (tso/ddp)

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