Berlin : Sechs Einbrüche in sechs Tagen

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Von Jörn Hasselmann

Sechs Mal haben die Täter bereits zugeschlagen – die Geschäftsleute rund ums Rathaus Friedenau haben Angst, dass sie das nächste Opfer sein werden. Immer sind es kleine Läden, in die die Diebe jeweils in den frühen Morgenstunden eingedrungen sind. Gestohlen wurden immer nur Geld oder Dinge, die sich schnell zu Geld machen lassen. Ernst Karbe vom Fotogeschäft „Bilderbär“ mag angesichts dieser Parallelen nicht an einen Zufall glauben, er glaubt an Serientäter. „Alles geschah in einem Umkreis von 100 Metern“, sagt Karbe. Bei ihm begann die Serie Donnerstag vor einer Woche. Die Täter zerschlugen gegen 3.45 Uhr eine Türscheibe und flüchteten mit einer Spendensäule, in der sich etwa 350 Euro befanden; Fotoapparate und Zubehör blieben unberührt. Eine Anwohnerin hörte das Splittern und sah ein Taxi wegfahren – rief aber nicht die Polizei.

Die Polizei schließt derzeit einen Zusammenhang aus. „Unterschiedliche Spuren, unterschiedliche Tatzeiten, unterschiedliche Objekte“, heißt es in der Pressestelle. „Das kann alles Zufall sein.“ Eine konkrete Spur gebe es nicht. Doch die Kripo hat derzeit nur die Akten von zwei der Einbrüche und Einbruchsversuche auf dem Tisch, die von zwei weiteren Fällen wurden vom Abschnitt angefordert – dies gesteht die Polizei ein.

Da sind die Geschäftsleute in dem Dreieck Hauptstraße, Hedwigstraße und Fregestraße besser über die Vorfälle in ihrer Nachbarschaft informiert - hier im Kiez kennen die Händler sogar noch ihre Kunden beim n. Laut Karbe waren besser gesicherte Supermärkte bislang nicht im Visier der Täter, sondern zwei Kioske, ein Gemüseladen, ein Bäcker und ein Reisebüro. Beim Gemüsehändler „Ali Baba Minimark“ zum Beispiel, einem kleinen Lädchen an der Hauptstraße Ecke Stierstraße, versuchten der oder die Täter am Sonnabend zunächst, die Eingangstür aufzuhebeln. Als sie dort scheiterten, nahmen sie sich die rückwärtige Stahltür im Innenhof vor – erfolgreich. Die Täter stahlen die komplette Kasse mit etwa 300 Euro Münzgeld, aber auch Zigaretten, Kaffee und Süßigkeiten. Gemüsehändler Mahamod Dumiri glaubt, dass die Täter Ortskenntnis hatten, denn ein Fremder erkennt nicht sofort, dass auch die Stahltür im Hof in das Geschäft führt. An der Innenseite der Stahltür hängt immer noch ein verblichener Zettel mit der Warnung „Tür immer geschlossen halten – letzter Einbruch beim Optiker am 3. Juni 2001“. Auch vor ziemlich genau einem Jahr kamen die Täter durch diese Tür. Der Einbruch in dieser Woche sei zwischen 3 und 5 Uhr erfolgt, sagt Dumiri, also wie bei Fotohändler Karbe. Die leere Kasse von „Ali Baba“ wurde am Morgen gleich um die Ecke in der Stierstraße gefunden.

Unabhängig von der Darstellung der Pressestelle hält ein Polizei-Experte einen Zusammenhang für sehr wohl möglich und auch, dass der oder die Täter Ortskenntnis hatten: „Die wohnen dort.“ In Frage kämen Laien oder Drogenabhängige. „Die haben nur Sachen mitgenommen, die man ohne Hehler schnell zu Geld machen kann.“

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