Berlin : Sechs Monate nach dem Unfall: Start der Tunnel-Reparatur

KLAUS KURPJUWEIT

Versicherungskonsortium kommt für den Schaden auf / Ein Jahr Verzögerung am Lehrter Bahnhof / Planer wollen Termine trotzdem haltenVON KLAUS KURPJUWEIT BERLIN.Ein halbes Jahr nach dem Wassereinbruch im Nord-Süd-Eisenbahn-Tunnel am Gleisdreieck beginnen jetzt die Sanierungsarbeiten.Um fast ein Jahr hinken die Planer dem Zeitplan am Lehrter Bahnhof hinterher.Trotzdem versichern sie, das 3,5 Kilometer lange Bauwerk werde wie vorgesehen 2002 betriebsbereit sein.Angaben zur Höhe des Schadens am Gleisdreieck gibt es noch nicht; die Panne ist aber als "versichertes Ereignis" eingestuft.Etwa zehn namhafte deutsche Versicherungsunternehmen werden für den Schaden aufkommen. Unmittelbar nach dem Wassereinbruch am 10.Juli des vergangenen Jahres hatten die Planer noch mitgeteilt, die Arbeiten würden sich lediglich um sechs bis acht Wochen verzögern.Wie lange die Sanierung nun dauert und wann die eigentlichen Bauarbeiten wieder aufgenommen werden können, lasse sich derzeit nicht sagen, erklärte die Sprecherin der für alle Bauarbeiten der Bahn im Berliner Raum zuständigen DB Projekt Knoten Berlin, Claudia Ruttmann. Das Wasser war in einen etwa 60 Meter breiten und 37 Meter langen sogenannten Senkkasten eingedrungen, der später Teil des Tunnels wird.Am Gleisdreieck wurden insgesamt sechs dieser Kästen an der Oberfläche betoniert.Anschließend wird unter Überdruck, der das Eindringen von Grundwasser verhindert, das Erdreich unter dem Kasten weggespült, so daß der tonnenschwere Koloß Stück für Stück ins Erdreich sinkt, bis er seine vorgesehene Lage erreicht. Aus dem ersten Kasten heraus sollte dann eine Schildvortriebsmaschine in bergmännischer Art die Röhren Richtung Norden weiterbohren.Deshalb wurde vor dem Senkkasten ein fünf Meter dicker Dichtungsblock angebracht, für den das Material unter Hochdruck in den Boden gepreßt wird.Die Schildvortriebsmaschine frißt sich dann - theoretisch - erst durch die Betonwand des Senkkastens und dann durch den Dichtungsblock.Beim Herausbrechen der Öffnung in dem Senkkasten drang im Juli dann das Wasser ein, weil der Dichtungsblock ein Leck hatte. Wie es dazu kommen konnte, ist bis heute nicht geklärt.Der gerichtlich bestellte Gutachter Rolf Katzenbach von der TU Darmstadt werde sein Ergebnis im Mai präsentieren, sagte Ruttmann.Zur Ursachenerforschung seien umfangreiche und komplizierte Berechnungen erforderlich. Bei der Sanierung wird jetzt zunächst nach Ruttmanns Angaben der Dichtblock stabilisiert.Unter der 5 mal 60 Meter großen Grundfläche wird eine Auflage angebracht.Dabei wird der Block von oben aufgebohrt und der Boden darunter mit Hochdruck-Injektionen verdichtet.Anschließend wird der Bereich um den Block herum vereist.Hierzu werden Schläuche ins Erdreich eingelassen, durch die dann eine Kühlflüssigkeit geschickt wird.Der sich dadurch bildende Eisblock soll dann beim Weiterbohren mit der Schildvortriebsmaschine einen erneuten Wassereinbruch verhindern. Für den durch den Wassereinbruch verursachten Schaden kommt ein Versicherungskonsortium auf, an dem nach Angaben des Geschäftsführers der Deutschen Verkehrs Assekuranz (DVA), Hans-Jürgen Allerdissen, "etwa zehn namhafte deutsche Unternehmen" beteiligt sind. Um langwierige gerichtliche Auseinandersetzungen verschiedener Versicherungen unterschiedlicher Auftraggeber zu vermeiden, hat die DVA nach Allerdissens Angaben ein besonderes Modell entwickelt, das in Berlin angewendet worden ist.Üblich war bisher, daß bei öffentlichen Bauten der Bauherr, die Planer und die ausführenden Firmen jeweils eigene Haftpflichtversicherungen für Drittschäden abschlossen.Hinzu kam die Bauleistungsversicherung, die bei einem Schaden den Sachwert des Bauwerks und die Kosten deckt, die erforderlich sind, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Beim DVA-Modell schließen alle Beteiligten eine gemeinsame Haftpflicht- und Bauleistungsversicherung ab, die europaweit ausgeschrieben wird.Die Prämien liegen nach Allerdissens Angaben "im Promillebereich" des Auftragwertes; beim Tunnelbau sind dies - mit den Bahnhöfen - rund 4,5 Milliarden Mark. Für den Lehrter Bahnhof, der künftig wichtigsten Station im Berliner Eisenbahn-Netz, wurde jetzt aus der ersten Baugrube das Wasser abgepumpt.Das Lenzen sollte bereits Anfang des vergangenen Jahres stattfinden.Umfangreiche Planungsänderungen führten zu der Verzögerung, sagen die Verantwortlichen.Nicht rechtzeitig fertig wird damit auch die neue Brücke über den Humboldthafen, so daß die Fernzüge nach der Wiedereröffnung der Stadtbahn im Mai vorübergehend weiter über die alte Trasse fahren müssen. Die Planer stört dies wenig.Unerschütterlich sagen sie: "Der Tunnel und die Bahnhöfe werden Ende 2002 betriebsbereit sein." Allerdings erklärte das Bundesverkehrsministerium auch schon, die Anlagen würden "termingerecht" 2003/2004 in Betrieb gehen.

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