Berlin : Sechs Standorte geschlossen - Bürgermeister fürchten zunehmende Müllkriminalität

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Die Berliner Stadtreinigung (BSR) dünnt ihr Netz an Recyclinghöfen aus und stößt damit in den Bezirken auf Widerstand. Allein sechs von etwa 40 Standorten wurden nach BSR-Angaben seit Anfang des Jahres geschlossen. Zum Teil könnten sie nicht modernisiert werden, weil Bauanträge an Umweltauflagen scheitern würden, sagte gestern BSR-Sprecher Bernd Müller. Standorte seien unrentabel oder die Flächen würden - wie an der Neuköllner Nobelstraße - für eine andere Nutzung gebraucht. Tempelhofs Bürgermeister Dieter Hapel (CDU) befürchtet, dass künftig noch mehr Sperrmüll und Elektroschrott illegal auf der Straße abgeladen wird. Mitte des Monats wollen Vertreter vom Rat der Bürgermeister mit der BSR über das Thema verhandeln.

Die BSR agiere wie eine "Großbank", die ihre kleinen Filialen schließt, sagte Hapel. "Die Kunden können sehen, wo sie bleiben". In Tempelhof wurde 1997 der Standort Ringbahnstraße aufgegeben. Allerdings liegt der Neuköllner BSR-Hof Gradestraße direkt an der Bezirksgrenze. Im Fusionsbezirk Schöneberg wurden vor wenigen Tagen die Höfe in der Winterfeldtstraße und in der Kärntener Straße dichtgemacht. Auch die Abgabestelle in der Monumentenstraße gilt laut Schöneberger Umweltamt als Streichkandidat. Möglicherweise wird es in dem Großbezirk künftig nur noch die BSR-Höfe an der Naumannstraße (Schöneberg) und am Lichtenrader Damm (Tempelhof) geben.

Die Bevölkerung mache sich die Mühe und trenne ihren Müll, "da muss man ihr auch eine ortsnahe Entsorgung anbieten", kritisierte Hapel. 1999 habe der Tempelhofer Umweltstreifendienst "Pro Futura" der BSR allein in 2792 Fällen illegal entsorgten Müll gemeldet, vom Plastiksack bis zum defekten Kühlschrank. Durch längere Wege "verschärft sich die Situation", sagte Hapel. Derselben Auffassung sind Schönebergs Grüne. In der vergangenen BVV setzten sie einen Antrag durch, wonach das Bezirksamt eine "Clearingrunde" mit der BSR zum Thema einrichten soll.

Ein flächendeckendes Angebot an Recyclinghöfen sei weiterhin gewährleistet, sagte gestern BSR-Sprecher Müller. Durch die Einführung des Dualen Systems seien Überkapazitäten entstanden. Die BSR-Höfe seien vor Jahren auch als Abgabestelle für Wertstoffe eingerichtet worden. Mittlerweile gebe es in fast allen Haushalten gelbe und blaue Tonnen. In den Recylinghöfen werde heute vorwiegend Sperr- oder Renovierungsmüll eingesammelt. Umweltsünder würden sich zudem auch nicht davon abhalten lassen, ihre alten Fernsehgeräte im Grünen verschwinden zu lassen, "wenn es an jeder Straßenkreuzung", Recyclinghöfe gäbe, sagte Müller. Wie viele BSR-Höfe insgesamt geschlossen werden sollen, stehe noch nicht fest. In jedem Fall berate man sich aber mit der Umweltverwaltung und dem jeweiligen Bezirksamt. Personal baue die BSR nicht ab. Demnächst will die Stadtreinigung die Recyclinghöfe Gradestraße (Neukölln) und Behmstraße (Prenzlauer Berg) modernisieren. Der letztgenannte Hof wird dafür bis August geschlossen, Kunden werden gebeten, in die Kniprodestraße auszuweichen. Der Hof in der Oberspreestraße in Köpenick ist wegen Straßenbauarbeiten noch geraume Zeit zu, wird aber durch ein mobiles Abholsystem ersetzt. Neue oder modernisierte Recyclinghöfe wurden laut BSR in diesem Jahr am Hegauer Weg in Zehlendorf und in der Asgardstraße in Weißensee eröffnet.

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