Berlin : Sechswochenschau

Die Ferien sind vorbei – und Sie zurück in Berlin? Dann haben Sie was verpasst

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Die ersten Urlauber sind gerade weg, es ist der 26. Juni, da spannen Johannes Rau und seine 700 Gäste ihre Regenschirme auf, um im Garten von Schloss Bellevue sein letztes Sommerfest als Bundespräsident zu feiern. Das ist am Abend. Am Mittag scheint noch die Sonne über dem Christopher Street Day, der schwullesbischen Parade. Klimatisch ungünstige Verhältnisse auch eine Woche später, als Horst Köhler, Raus Nachfolger im Amte, zu Tisch bittet an der „Tafel der Demokratie“ auf dem Pariser Platz. Gedeckt ist für 1400 Esser. Am selben Abend in der Waldbühne: Thomas Gottschalk mit „Wetten, dass...?“. Es wird dort die Sanierung des Wannseebades versprochen.

Bis zu ihrem Sieg bei der FußballEM am 4. Juli taumeln die Griechen der Stadt mehrmals durch die Straßen, die Hand auf der Hupe, Rehhagel im Herzen, es gibt Ouzo für lau. Weniger wild, aber auch irgendwie griechisch, drei Tage davor: Die Olympiafackel ist in Berlin.

Es sind Zeiten, an denen man morgens sorgenvoll zum Himmel blickt. Alle sprechen dauernd über das schlechte Wetter. Und über die armen Ferienkinder, die nicht verreist sind. Manchmal sieht man aber doch Sonne, und mancher obendrein Bill Clinton. Der Ex-US-Präsident ist am 10. Juli hier, lässt sich feiern und signiert seine Autobiografie. Ein toller Typ, Berlin ist begeistert. Was folgt: die Love Parade. Wie, bitte? War die denn doch? Nein, aber zwei alternative Demos, die am Ku’damm war toll, die an der Siegessäule nicht, und dann gab es auch noch die Love Week, die weitgereiste Technotouristen mangels Stimmung in die Depression treibt.

Der Rest der Stadt feiert weiter: Richtfest am Mahnmal mit einem verzückten Architekten Eisenman, die Modemessen Bread and Butter und Premium, Udo Walz, der Frisör mit dem unerhörten Lächeln, wird 60, Peter Strieder hat einen neuen Job. Dafür wird eigens ein Pressetermin anberaumt. Vom neuen Arbeitgeber, nicht vom ehemaligen Stadtentwicklungssenator und SPD-Chef. Er leitet seit dem 1. August für die Düsseldorfer European Communications Consultants (ECC) von Berlin aus die Public-Affairs.

Apropos Tempodrom: Woody Allen bläst am 1. August unterm Zackendach in die Klarinette, dass manchem nur so der Schweiß ins Hemd sickert. Sein erstes Konzert in Berlin. Er macht pünktlich Schluss, hat Termine in London.

Am 15. und am 29. Juli brennen die Freibäder am Orankesee und am Weißen See ab. Geöffnet ist aber schon wieder. Auch geöffnet: ein neues Erlebnisbad im brandenburgischen Liebenwerda.

Wer Gefahren sucht, hätte hierbleiben müssen. Im Müggelsee wurden Weltkriegsbomben gleich im Dutzend entschärft, dem Badebetrieb tut’s keinen Abbruch. Der ist seit anderthalb Wochen ganz enorm. Seitdem ist es nämlich heiß.

Und sonst? Das alternative Haus Schwarzenberg wird versteigert und gehört nun der Wohnungsbaugesellschaft Mitte WBM, das Bauprojekt auf dem Teufelsberg wird abgeblasen, dafür gibt es jetzt eine Baustelle vorm Hotel Adlon: Die BVG baut für die U55. Und – daran haben sechs Wochen Ferien nichts geändert – der Weg in die MoMA-Schau führt über endloses Warten.

Herzlich willkommen zurück.

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