Berlin : Segeln: Umkippen unmöglich

Susanne Frank

Zum Start gibt es erst mal ein Glas Sherry. Prost! So will es die Tradition. Die schreibt auch den Zeitpunkt vor. Auf der Unterhavel ist er erreicht, wenn der Grunewaldturm alle vier Fenster der Fassade offenbart.

Wir sind beim Folkebootsegeln.

Nach dem Sherry müssen an diesem Vormittag die Folkebootsegler noch zwölf Seemeilen hinter sich bringen. Und das gleich drei Mal nacheinander. Denn fünf Regatten müssen, verteilt auf Freitag und Samstag, bestritten werden. Es geht um die Internationalen Berliner Meisterschaften. International ist gut, vor allem abends. Da ist endlich Zeit für Geselligkeit, und die gehört dazu. Spanferkel und Freibier sowieso.

Der diesjährige Veranstalter der Internationalen Meisterschaften ist der Segler Club Gothia (SCG). Klaus Müller ist dort Vorstandsvorsitzender. 300 Mitglieder zählt sein Verein, und sie helfen am Wochenende fast alle ehrenamtlich mit. Das ist schon bemerkenswert, denn bei Regenfällen und Windstärke 7 ist ein gemütlicheres Wochenendprogramm vorstellbar.

Der Zusammenhalt geht auf die Anfänge des Vereins zurück. 1909 pachten sechs Männer ein Wassergrundstück in Bocksfelde. Das erste Boot des Clubs heißt "Amicicia" - Freundschaft. "Wir sind eben alle eine große Familie. Jeder kennt jeden", sagt der Chef.

Beinahe so lang zurückzuverfolgen wie die Geschichte des SCG ist auch die der Folkeboote. Am 8. November 1939 ruft die königliche Segelgesellschaft zu Göteborg einen Konstruktionswettbewerb aus. Bis 1941 gehen 58 Vorschläge ein. Perfekt scheint keiner. Tord Sunden konstruiert deshalb nach den vier besten Entwürfen das Folkeboot.

Alleine in Berlin segeln heute 130 Folkeboote, deutschlandweit sind es 900, ganz Europa beherbergt 4400. Gesegelt wird ohne Spinnaker, der Mast ist immer aus Holz. Entgegen den alten Zeiten besteht der Rumpf aus Kostengründen schon längst aus Kunststoff. Der Aufbau kann wahlweise aus Mahagoni oder Kunststoff sein. Natürlich alles eine Kostenfrage. Holzboote werden noch am Bodensee, in Schweden und in Dänemark gebaut.

In letzter Zeit erfreut sich der Sport besonders bei jüngeren Leuten einer steigenden Beliebtheit. Freizeitvergnügen auf dem Wasser. "Das Folkeboot eignet sich dazu auch bestens. Denn es ist ein absolutes Allroundboot", sagt Rainer Birkenstock, Flottenchef der Berliner Folkebootler. Vorteile im Wettkampfsport gibt es auch. Durch den Langkiel hat es eine besondere Stabilität. Die Gewichtsverteilung macht ein Umkippen unmöglich.

Rainer Birkenstock ist seit vier Jahren Flottenchef. "Die meiste Arbeit gibt es im Frühjahr und im Herbst, da bin ich schon mal drei Stunden pro Tag im Dienst der Folkeboote." Er selbst wurde bei den diesjährigen Berliner Meisterschaften Neunter. Internationale Berliner Meister 2001 wurden Brigitte, Horst und Andreas Klein aus Essen. Die ersten Berliner findet man auf Platz vier: Renate und Emil Steinke mit Stefan Schneider vom Spandauer Yacht Club.

Vom 17. bis 21. September findet am Müggelsee die Deutsche Meisterschaft statt. Start ist am Gelände der Segel Gemeinschaft am Müggelsee um 11 Uhr. Am Sonntag findet ein Practing Race um 13 Uhr statt. Auch bei den Deutschen Meisterschaften wird es wieder gesellig. Diesmal mit 52 Booten.

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