Berlin : Sehnsucht nach dem Zoo

Das English Theatre aus Kreuzberg möchte ins Amerika Haus in der Hardenbergstraße ziehen

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Wunschadresse. Das Amerika-Haus in Charlottenburg.Foto: Kai-Uwe Heinrich
Wunschadresse. Das Amerika-Haus in Charlottenburg.Foto: Kai-Uwe HeinrichFoto: Kai-Uwe Heinrich tsp

Große amerikanische Dramatiker wie Eugene O’Neill oder Tennessee Williams gehören schon lange zum Repertoire des English Theatre. Jetzt muss sich die internationale Bühne, die in Kreuzberg in der Fidicinstraße ansässig ist, aus Platzgründen auf die Suche nach einem neuen Standort begeben. Die zum Repertoire passende Wunschadresse ist schon gefunden: das Amerika Haus am Bahnhof Zoo.

„Wir könnten uns als Fundament für ein neues kulturelles Konzept zur Verfügung stellen“, sagt der Gründer und Geschäftsführer des Theaters, Bernd Hoffmeister. Er ist davon überzeugt, dass das Theater die westliche Innenstadt bereichern würde.

Das Amerika Haus gehörte in West-Berlin seit seiner Eröffnung im Juni 1957 zu den weithin sichtbaren Leuchttürmen der deutsch-amerikanischen Freundschaft, ein beliebtes Ziel für alle, die den Geist der amerikanischen Art zu leben und zu denken atmen wollten. Im Zuge des Vietnamkrieges wurde es dann auch ein beliebtes Ziel für Demonstranten.

Nach dem Abschied der Alliierten gab es angesichts der angestrebten „New Traditions“ immer wieder Vorstöße deutsch-amerikanischer Freundschaftsorganisationen, dort einzuziehen. Jahrelang wurde um die Zukunft des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes gestritten. Zu den Hauptinteressenten gehörte zwischenzeitlich auch die Bundeszentrale für politische Bildung, die dann aber vom Bund nicht die notwendigen Gelder bekam. Unter anderem die Checkpoint Charlie Stiftung, die ebenfalls im Zuge der „New Traditions“ nach dem Abzug der Alliierten 1994 gegründet wurde, wollte dort transatlantische Kulturveranstaltungen stattfinden lassen.

„Aktuell ist keine Ausschreibung geplant“, dämpfte freilich die Sprecherin des Liegenschaftsfonds die Erwartungen. Der Fonds ist für die Vermarktung der landeseigenen Grundstücke zuständig, zu denen das Amerika Haus gehört. Bevor es vermarktet werden kann, muss ein Ausschuss, dem Vertreter der Senatsverwaltungen für Finanzen, Stadtentwicklung, Wirtschaft und des Bezirks angehören, tagen, um sich über ein bestmögliches Nutzungskonzept zu einigen. Derzeit wird das Gebäude unter anderem vom Regionalmanagement für das westliche Zentrum und als „Forum City West“ auch für Ausstellungen und Debatten genutzt.

Der zuständige Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler sagte, eine kulturwirtschaftliche Nutzung sei sehr willkommen, jeder, der da rein wolle, sollte aber wissen, dass ein Millionenbetrag investiert werden muss. Frühere Ideen, zum Beispiel die Ausstellung „The Story of Berlin“ vom Kurfürstendamm dorthin zu verlegen, hätten sich nicht umsetzen lassen. Nach zwei bis drei notwendigen Untersuchungen zum Grundstück rechnet er mit einer Ausschreibung noch in diesem Jahr.

Unter Kennern ist das English Theatre seit seiner Gründung vor 21 Jahren selber ein kleiner Leuchtturm der internationalen Kulturlandschaft in Berlin. Da mehr und mehr englischsprachige Zuzügler in die Stadt streben, besteht an potenziellem Publikum kein Mangel.

Das Theater würde, so Hoffmeister, etwa 25 Prozent der Fläche in Anspruch nehmen, darunter den ehemaligen Kinoraum. Idealerweise würde es ergänzt durch einen internationalen Buchhändler in der ehemaligen Bibliothek und ein Café mit Terrasse zur Hardenbergstraße. In den restlichen Räumen könnte er sich gut all jene deutsch-amerikanischen Organisationen vorstellen, die schon früher interessiert daran waren.

Die Hoffnungen, dass ein fest in der deutsch-amerikanischen Freundschaft verwurzelter Investor hier neues Kulturleben möglich macht, haben sich zwar schon früher mal zerschlagen.Gestorben sind sie aber nie. Elisabeth Binder

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