Berlin : Sein erstes großes Haus

Bundespräsident Köhler gibt heute das Signal zum Bau der deutschen Botschaft in Warschau. Sie ist von Holger Kleine

Matthias Oloew

Auf dem Boden wellt sich der orangefarbene Teppich. Der Blick durchs Fenster geht in den dritten Hinterhof. Doch Holger Kleine ist zufrieden. Sehr sogar. Er hat erst dreimal an offenen Architektenwettbewerben teilgenommen und schon jetzt einen großen Wurf gelandet: Er baut die neue Botschaft der Bundesrepublik in Warschau.

„Es ist im Grunde genommen das erste große Haus, das ich baue“, sagt der 43-Jährige, und über sein Gesicht huscht ein leichtes Lächeln. 378 Architekten hatten sich an der europaweiten Ausschreibung beteiligt. Kein Wunder also, dass die Entwürfe und Ansichten der neuen Botschaft die Wände seines kleinen Büros in der Lützowstraße in Tiergarten dominieren. Mit dem Bau ist eine besondere Verantwortung verbunden.

Vor 32 Jahren haben Polen und die Bundesrepublik wieder diplomatische Beziehungen aufgenommen; kein leichter Neubeginn nach dem Überfall im Zweiten Weltkrieg und dem Warschauer Aufstand. Seither residierte der deutsche Botschafter wechselnd in verschiedenen gemieteten Häusern rechts und links der Weichsel. Entsprechend der Bedeutung dieses Projektes sind beim Spatenstich am heutigen Dienstag auch Bundespräsident Horst Köhler und Polens Staatspräsident Aleksander Kwasniewski dabei.

Und Holger Kleine. Die Frage, welche Botschaft die neue Botschaft vermitteln sollte, beantwortete er sich selbst, indem er zwei Regeln aufstellte. „Erstens: Es sollte kein Mahnmal sein, sondern Gelassenheit, Eleganz und Alltäglichkeit ausstrahlen.“ Und zweitens? „Für mich verbot sich jeder Anklang an die Architektur der 30er Jahre und die Monumentalbauten der Nazis.“ Das bedeutete: keine Symmetrien, kein Sandstein und keine Assoziationen mit dem Neoklassizismus. So vermied Kleine einen wuchtigen Zentralbau und entwarf stattdessen einen Komplex aus drei miteinander verbundenen Teilen mit jeweils unterschiedlichen Fassaden. Kanzlei und Konsulat der Botschaft sowie die Residenz des Botschafters werden 2007 einziehen.

Einen Dialog will Kleine mit dem Entwurf ausdrücken. Und eine Reverenz an den besonderen Ort. „Das Grundstück ist ein Geschenk“, sagt er und meint es im übertragenen Sinn. Der Bund hat den Grund und Boden 1997 gekauft, in den Augen Kleines ist es ein besonderes Grundstück, am Rand des Warschauer Schlösserparks, rund 500 Meter vom Sejm, dem Parlament, entfernt. „Es ist das Warschauer Sanssouci“, sagt Kleine. Um eine Verbindung zu den alten Bäumen auf dem Gelände zu schaffen, entwarf er eine grüne Fassade aus eingefärbten Betonplatten.

Von Kleine und seinem vierköpfigen Mitarbeiterstamm ist noch nicht viel zu sehen. Im September vorigen Jahres hat er ein Wochenend- und Seminarhaus am Steinhuder Meer fertig gestellt, ansonsten hat er, der während seines Studiums bei Peter Eisenman in New York arbeitete, vor allem Wohnungen umgebaut – in Berlin wie in Paris. Durch den Botschaftsbau hofft Kleine, bald auch in Berlin in Erscheinung zu treten. Mit einem Haus und nicht nur einer Wohnung.

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