Berlin : Seiner Aufgabe stellen

Brigitte Grunert über die Sprache der Politiker

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Unsere Parlamentarier wissen sicher, wozu sie da sind und wovon sie reden. Nur merkt man es oft nicht. Es ist ihnen offenbar egal, ob sie sich schief oder klar, korrekt oder falsch ausdrücken.

„Das Land Berlin wird sich seiner Aufgabe stellen“, sagte Jutta Matuschek (PDS) am Donnerstag in der verkehrspolitischen Debatte des Abgeordnetenhauses. Welch eine Aussage! Die Abgeordnete meinte gewiss den Senat und die ihn tragende SPD/PDSKoalition. Sie sprach aber, als gehöre sie gar nicht dazu, vom Land Berlin. Und was heißt: „... wird sich seiner Aufgabe stellen?“ Dieser Senat ist immerhin seit zweieinhalb Jahren für das Wohl und Wehe des Landes Berlin politisch verantwortlich (nicht „des Landes Berlins“, wie man ständig in Debatten hören muss).

Außerdem tritt jeder Senator mit dem Amtseid an, sich nicht nur seinen Aufgaben zu stellen, sondern diese auch so gut wie möglich zu erfüllen. Sodann meinte die PDS-Abgeordnete Matuschek, eine Idee habe sich „aus einem Traumata der Grünen entwickelt“. Kennt sie wirklich nicht den Unterschied zwischen einem Trauma und mehreren Traumata?

Daniel Buchholz (SPD) hat den „aktuellen Senat“ sicher nicht erfunden, aber er muss diese Bezeichnung für gewitzt halten. Sonst hätte er sie sich nicht angeeignet. Neulich geisterten nämlich „aktuelle Amtsträger“ durch den Missbilligungsantrag von Grünen und FDP gegen Klaus Wowereit. Natürlich meinte Buchholz den amtierenden Senat. Aktuell sind Ereignisse. Doch bedenkenlos bringt man die Begriffe durcheinander.

Klaus-Peter von Lüdeke (FDP) kritisierte den „PDS-Wirtschaftssenator“, Alexander Kaczmarek von der Union „die Sozialsenatorin der PDS“. Nun gehören Senatoren gewöhnlich einer Partei an. Es gibt jedoch keine Parteisenatoren. Parteien haben Mitarbeiter, Senatoren haben Regierungsämter. In die Kette solcher sprachlichen Unsinnigkeiten gehört auch das Gerede vom „Wirtschaftssenat“, „Finanzsenat“ und so fort, wenn eine Senatsverwaltung gemeint ist. Es gibt bekanntlich nur den Senat von Berlin, die Landesregierung; jeder Senator leitet eine Senatsverwaltung.

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