Berlin : Seit 20 Jahren geht Christoph in die Luft

Früher flogen amerikanische Piloten den Rettungshubschrauber. Heute wird in Steglitz Jubiläum gefeiert

Rainer W. During

Ob beim S-Bahnunfall am Südkreuz, dem Balkonsturz einer Tänzerin in Lichtenberg oder dem Feuer in einer Spandauer Kita: Immer wenn schnelle Hilfe gebraucht wird, ist Christoph 31 von der ADAC-Luftrettung zur Stelle. Heute feiert Deutschlands meistgenutzter Rettungshubschrauber im Universitätsklinikum Benjamin Franklin seinen 20. Geburtstag.

Vor wenigen Tagen wurde ein bei einer Propangasexplosion schwerverletzter Camper aus Lichtenrade ins Unfallkrankenhaus Marzahn geflogen. Die meisten Einsätze sind nicht so spektakulär. Meist handelt es sich um Herzinfarkte, Schlaganfälle oder ähnliche medizinische Notfälle, zu denen die aus Notarzt, Pilot und Rettungssanitäter bestehende Crew gerufen wird. Die fliegenden Helfer ergänzen das Berliner System der Notarztwagen, die zunehmend von Notarzteinsatzfahrzeugen ohne Transportmöglichkeit für den Patienten ersetzt werden. Auch bei Christoph 31 geht es in erster Linie darum, schnellstmöglich medizinische Hilfe zum Betroffenen zu bringen. Nur in seltenen Fällen ist auch der Transport des Verletzten per Helikopter ins Krankenhaus notwendig. Gelegentlich brauchte der Hubschrauber bei seinen Einsätzen im engbebauten Stadtgebiet auch selbst Hilfe. So als kürzlich bei der Landung auf einem Innenhof in der Lepsiusstraße ein aufgewirbeltes Metallstück ins Triebwerk geriet. Christoph 31 musste mit einem Kran über das 20 Meter hohe Haus gehievt und zur Reparatur gebracht werden.

Was heute selbstverständlich ist, war in der Mauerstadt West-Berlin mit ihrer alliierten Lufthoheit noch ein Politikum. Erste Versuche gab es mit amerikanischen und britischen Militärhubschraubern, bis die Schutzmächte 1987 ihre Zustimmung zu dem zivilen Rettungshubschrauber gaben. Die in Deutschland gebaute Bo105 musste mit amerikanischen Piloten geflogen werden. Erst nach dem Mauerfall waren auch Einsätze im Ostteil der Stadt möglich und erst 1992 erhielt Christoph 31 eine deutsche Zulassung.

2001 wurde die inzwischen durch ein neueres Exemplar abgelöste Bo105 durch einen moderneren Helikopter ersetzt, der mit drei Millionen Euro auch mehr als doppelt so teuer war wie sein Vorgänger. Der Eurocopter EC135 ist nur noch halb so laut und schreckt die Berliner bei seinen Einsätzen nicht mehr durch lautes Geknatter auf. Startbereit von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang, hatte der Berliner Rettungshubschrauber lange Zeit auf dem Flughafen Tempelhof seine Basis, wo er auch betankt und gewartet wurde. Seit 2002 ein neuer Hangar mit eigener Tankstelle fertiggestellt wurde, ist Christoph 31 ständig am Klinikum in Steglitz stationiert. Nur für drei Monate bekam er 2006 während der Fußballweltmeisterschaft einen Kollegen. Christopher 31B war am Bundeswehrkrankenhaus stationiert – er flog fast 600 Einsätze. Christoph 31 wurde im vergangenen Jahr knapp 3000 gerufen und flog damit als höchstfrequentierter Luftretter Deutschlands am Rande der Kapazität. Trotzdem: Pläne zur Anschaffung eines zweiten Rettungshubschraubers sind kürzlich auch am Veto der Krankenkassen gescheitert.

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