• Seit 50 Jahren geniessen sie Symphatie und Respekt - Gedenken an die beiden Pferde "Wirbel" und "Junker"

Berlin : Seit 50 Jahren geniessen sie Symphatie und Respekt - Gedenken an die beiden Pferde "Wirbel" und "Junker"

Ekkehard Schwerk

Heute vor 50 Jahren wurde in West-Berlin die berittene Polizei als Reiterstaffel in Trab gesetzt. Zu gedenken ist zweier Pferde, die im Einsatz am 9. Mai 1970 bei einer äußerst gewalttätigen Demonstration so schwer verletzt wurden, dass sie an Ort und Stelle den Gnadenschuss bekommen mussten: "Wirbel" und "Junker". Dem einen Pferd wurde gewaltsam das Vorderbein durchschlagen, das andere traf gezielt eine Stahlkugel an der Stirn, die in den Schädel eindrang. Seitdem werden Pferde der polizeilichen Reiterstaffel nicht mehr auf großen Demonstrationen zum Einsatz gebracht, auf denen mit Gewalttaten zu rechnen ist.

Hingegen hat sich der Einsatz berittener Beamter auf allerlei Großveranstaltungen - Fußballspielen oder Demonstrationen durchaus als sinnvoll erwiesen. Reiter können zum Beispiel aufeinander los gehende "Fan"-Gruppen trennen, können abweichende Demonstrantenströme lenken. Dafür wären sonst mehrere Beamte nötig. Pferde und ihre uniformierten Reiter genießen sogar bei rulpsbrutalen Hooligans Respekt.

Mittlerweile ist die Reiterstaffel von ehedem 65 auf 45 Pferde und 75 sattelfeste Beamte beiderlei Geschlechts reduziert worden. Auf beiden Reiterwachen - Koenigsallee in Grunewald und Moritzstraße in Spandau - stehen Hufschmiede zur Verfügung. Es gibt zumindest bei den Regierungsparteien CDU und SPD keine Hippophobie vor Polizeireitern. Mit der Reduzierung auf 45 Pferde ist es nun genug. Die Reiterstaffel gilt als unverzichtbar. Sie kommt wirkungsvoll auch in Stadtrandsiedlungen zum Einsatz, die von vielen Hauseinbrüchen heimgesucht wurden, die dann schlagartig zurückgingen, als Polizeireiter aufkreuzten.

Hoch zu Ross können sie über Hecken blicken, können still in winters verlassene Kolonien einreiten und Übeltäter überraschen. Im Wald sind die "Berittenen" zu jeder Jahreszeit im Einsatz. Im Sommer bei knackender Trockenheit stöbern sie uneinsichtige Paffer auf und verhindern so Waldbrände; sie sind rasch am Ort, zu dem sie bei Gefahr gerufen werden.

Täglich sind die Polizeipferde sechs Stunden unterwegs - bei jedem Wetter. Zu entfernten Einsätzen werden sie mit Spezialfahrzeugen gebracht: entweder zu sechst oder zu zweit. Zum Tiergarten, Unter den Linden, dem neuen Regierungsviertel überhaupt, werden die Pferde abwechselnd aus Spandau und Grunewald bis zum Gartenbauamt Tiergarten gefahren. Nicht nur Berlins Zentralpark wird beritten. Auch in Mitte sind täglich acht Pferde unterwegs.

Ein Polizeipferd ist ungefähr 15 Jahre im "öffentlichen Dienst". Es hat auch schon Tiere gegeben, die 26 Jahre alt geworden waren, davon 23 Jahre im Polizeidienst. Sie werden von ihren Reitern an die Kandarre genommen. Das setzt reiterliches Können voraus. Bei großen Veranstaltungen ist der "lange Hafer", also der Schlagstock, unentbehrlich für den Fall, dass einen Zweibeiner der Hafer sticht.

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