• Seit 58 Jahren ist der Tagesspiegel ihre Zeitung Frida Kittel wird 100 Jahre alt. Sie war Abonnentin von Anfang an

Berlin : Seit 58 Jahren ist der Tagesspiegel ihre Zeitung Frida Kittel wird 100 Jahre alt. Sie war Abonnentin von Anfang an

Hanna Engelmeier

Frida Kittel hat schon immer in Berlin gewohnt. Das macht genau ein Jahrhundert in der Stadt, seit ihrer Geburt im damals noch selbstständigen Charlottenburg. Mehr als die Hälfte ihres Lebens hat sie mit dem Tagesspiegel verbracht, den sie „seit seiner Babyzeit“ kennt. „Es war 1946, und ich stolzierte durch Berlin“, erzählt die alte Dame. „Da wehte mir ein Blatt entgegen und wickelte sich um meine Beine.“ Das war der Tagesspiegel. Schnell wurde Frida Kittel zur Abonnentin und blieb dem Blatt bis jetzt, ihrem 100. Geburtstag, treu.

Die ehemalige Übersetzerin (Französisch und Englisch) lässt sich die Zeitung mittlerweile lieber von ihrer Nichte Edelgard Gottschalk vorlesen. Auf diese Weise verfolgt sie immer noch die wichtigsten Ereignisse des Tages. Seit einem schweren Sturz vor zwei Jahren wohnt Frida Kittel in der Residenz Zehlendorf, bis dahin hatte sie sich selber versorgt und in ihrer eigenen Wohnung gelebt. Sie hätte es gerne noch länger getan, denn unabhängig ist sie ihr ganzes Leben gewesen. Das war ihr von Anfang an wichtig: Schon 1929 verdiente sie erstes eigenes Geld bei der Allianz im Büro, reiste damit auch auf eigene Faust in fremde Länder.

Fremde Kulturen, Politik – das waren die Themen, die sie im Tagesspiegel am meisten interessierten, und daran hat sich bis zu ihrem 100. Geburtstag nichts geändert. Frida Kittel ließ sich ihr Leben lang nicht einschüchtern. Weder von zwei Weltkriegen und den harten Zeiten, die sie in und mit ihrem Berlin erlebt hat, noch von ihrer Umwelt, die es wohl gern gesehen hätte, wenn sie geheiratet hätte. Frida Kittel hat es trotzdem nie getan. „Und dass ich jetzt noch heirate, glaube ich auch nicht“, sagt sie und lacht.

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