Berlin : Seit’ an Seit’ mit Schröder

Klaus Uwe Benneter marschiert schon lange mit dem Kanzler. Jetzt kandidiert der Berliner für den SPD-Bundesvorstand

Stephan-Andreas Casdorff[Bochum]

Der lange Marsch durch die Institutionen – ein Linker wird diesen Spruch sein Leben lang nicht los. Selbst wenn er nicht mehr gar so links ist, wie Klaus Uwe Benneter. Er kennt das: Immer wieder wird der 56-Jährige auf seine Zeit als Juso-Chef 1977 angesprochen, auf die Zeiten, als Ideologien noch als unverzichtbar zum Nachweis der Führungsfähigkeit galten. Lang vorbei, die Kämpfe sind heute andere, heute regiert Pragmatismus. Und so wird, wenn es gut geht, Benneters Marsch nicht gar so lang gewesen sein; jedenfalls nicht der auf Bundesebene. Seit 2002 sitzt er nun im Bundestag für die Sozialdemokraten, von November 2003 an, nach dem Parteitag hier in Bochum, vielleicht im Bundesvorstand der Partei.

„Ja, ich kandidiere“, sagt Benneter und nickt. Der Kreisverband Charlottenburg-Wilmersdorf hatte sich schon im Vorfeld und gewissermaßen auf Vorrat für ihn als Bewerber für den Bundesvorstand ausgesprochen, hinter Wolfgang Thierse, dem Bundestagspräsidenten und Vize-Bundesvorsitzenden. Und weil niemand aus Berlin als weiterer Kandidat hinzu kam, tritt er jetzt an, um die Hauptstadtpartei auf hoher Ebene zu repräsentieren. Seit’ an Seit’ mit dem Kanzler und Parteivorsitzenden Gerhard Schröder, dem Parteifreund, dem Freund. Der Kanzler hat für ihn sogar bei den Laubenpiepern im vergangenen Jahr Wahlkampf gemacht. Und der gelernte Rechtsanwalt Benneter hat danach für die SPD und Schröder im so genannten „Lügenausschuss“ des Bundestages die Verteidigung übernommen.

So gesehen marschieren sie schon länger gemeinsam. Schröder war Benneters Nachfolger als Juso-Chef; und war damals, wie Benneter erzählt, „Antirevisionist“. Übersetzt heißt das so viel wie: Er war dagegen, etwas zurückzunehmen, von dem einmal gewählten Ansatz abzuweichen. So handelt Schröder als Kanzler in gewissem Sinne heute wieder, nur nicht mehr revolutionär – und Benneter auch. Benneter als Unterstützung für den Kanzler im SPD-Bundesvorstand: Das wirkt, nach seinen alten, wilden, linken Zeiten, in denen er zwischendurch ein paar Jahre auch mal nicht in die SPD passte, heute immer noch ein bisschen ironisch. So abgeklärt ironisch, wie Benneter heute ist.

Er kandidiert, weil Peter Strieder nach der Niederlage vor zwei Jahren nicht noch einmal antreten wollte, als Berlins SPD-Chef nicht in den Bundesvorstand gewählt wurde, weil die Absprachen mit den anderen Landesverbänden nicht hielten. Strieder will nicht, trotz vielen Drängens. Klaus Wowereit muss nicht gewählt werden, um im Bundesvorstand und im Präsidium mitreden zu dürfen; als Regierender Bürgermeister hat er immer Zugang. Die Chancen einer Kandidatur heute sind besser als vor zwei Jahren, weil die ehemalige Bundesministerin Christine Bergmann ihren Platz aufgibt. Mehr als zwei Berliner können es nicht werden. Schließlich kommen nur 14 von den 523 Delegierten, die wählen dürfen, aus Berlin. Aber zwei Berliner können es werden, wenn die Lobby-Arbeit auf dem Parteitag stimmt.

Benneter weiß, wie das geht: indem der Kandidat auf dem Parteitag zu jedem Landesverband geht. Bei den Bayern, den Baden-Württembergern, den Niedersachsen war er schon, dem Chef der mächtigen Nordrhein-Westfalen, Hartmut Schartau, begegnet er auf seinem Weg zum Kanzlertisch am Abend des Parteitags. Ein Wort gibt das andere – und wenn er das Wort von Schartau hat, könnte es reichen. In den Wahlgängen zum Bundesvorstand werden vermutlich 120 bis 130 Delegiertenstimmen reichen.

Und nun, sind alle Absprachen getroffen? Diesmal antwortet der Kanzler: „Ja. Die Frage ist, ob sie halten.“ Auch das weiß Benneter.

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