Berlin : Seit dem Brandanschlag wurden mehr als 10 000 Mark gespendet

Frank Jansen

Sieben Wochen nach dem Anschlag auf einen türkischen Döner-Imbiss in Woltersdorf sind schon knapp 10 700 Mark gespendet worden. Zusätzlich zu den 2221,67 Mark, die Imbissbetreiber Ismail Barut Anfang Februar überreicht bekommen hatte, gingen bei der Berliner Amadeu Antonio Stiftung bis zum Ende letzter Woche 3475 Mark ein. Die Stiftung selbst wird noch, wie angekündigt, 5000 Mark drauflegen. Der Imbisswagen auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in dem Ort am Ostrand Berlins war in der Nacht zum Zweiten Weihnachtstag von unbekannten Tätern angezündet worden und brannte vollständig ab. Zwei Nächte zuvor hatten Einbrecher, die auch noch nicht ermittelt sind, den Imbiss demoliert und rechtsextreme Symbole in die Wände geritzt. Nach den Taten wurde bekannt, dass Barut seit mehreren Jahren in Woltersdorf von einer Clique junger Rechtsextremisten schikaniert wird.

Der Schaden, den der Türke durch den Brandanschlag in Woltersdorf erlitten hat, ist allerdings weit höher als die Summe der bislang eingegangenen Spenden. Durch die Zerstörung des Dönerwagens verlor Barut 25 000 Mark. Der Imbiss war nicht versichert, da der Türke die erforderlichen Prämien nicht aufbringen konnte. Außerdem hat Barut für seinen neuen, stark gesicherten Imbiss-Container 13 000 Mark aufbringen müssen. Die Amadeu Antonio Stiftung hofft angesichts der enormen finanziellen Belastung des Türken auf weitere Spenden. Sie können bei der Deutschen Bank Heppenheim auf das Konto der "Amadeu Antonio Stiftung FGM" (die Abkürzung steht für Forschungsgruppe Modellprojekt) unter dem Stichwort "Woltersdorf" eingezahlt werden. Die Kontonummer lautet 034 059 627, die Bankleitzahl 509 70 004.

Seit Herbst vergangenen Jahres häufen sich Angriffe auf türkische Imbisse in Brandenburg. Ein Dönerwagen in Bötzow (Landkreis Oberhavel) wurde gleich zwei Mal angezündet, nämlich Ende Oktober und Anfang November. Die Polizei nahm vier junge Männer fest, von denen zwei ein ausländerfeindliches Motiv zugaben. Ende Januar bewarfen Unbekannte einen Dönerimbiss in Meyenburg (Prignitz) mit Steinen. Nahezu zeitgleich wurde ein Brandanschlag auf einen türkischen Imbiss in Kyritz (Ostprignitz-Ruppin) verübt. Der umgebaute Bauwagen wurde beschädigt, brannte allerdings nicht aus, da das Feuer wegen Sauerstoffmangels erlosch.

Vergangenen Donnerstag überfielen zwei junge Männer einen türkischen Imbiss in Sperenberg (Teltow-Fläming). Die Angreifer riefen fremdenfeindliche Parolen. Der aus Berlin stammende Imbissbetreiber und ein Landsmann wurden dann mit einem Messer bedroht und getreten. Beim folgenden Handgemenge ging eine größere Vitrinenscheibe im Wert von 1500 Mark zu Bruch. Die Polizei nahm einen 20-Jährigen fest. Der mutmaßliche, 16 Jahre alte Mittäter ist namentlich bekannt.

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